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(Teil 2, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Neue Woche, neues Glück und dazu Plan B“, muntert Müller-Meier sich auf, startet den PC und öffnet das Dokument mit seiner Geschichte. „Wenn ihr Gewalt und Herzschmerz in meiner Heimatstadt nicht wollt, verlege ich das eben in eine Metropole!“
Er deutet eine Verbeugung vor dem Stapel mit den Verlagsabsagen an. „Wäre euch eine Landeshauptstadt groß genug? Oder muss es der Regierungssitz sein? Soll ich noch unspezielle, überregionale Drogendeals mit einbauen, rasante Verfolgungsjagden, Türsteherprobleme und den globalen Mädchenhandel?“
Grummelnd dreht er sich zum Bildschirm zurück und beobachtet, wie sein unermüdlich verfeinertes Eifersuchtsdrama erscheint, das ihm mit heimlichen Stelldicheins in seinen geliebten Szenekneipen und den bekannten, traulichen Stadtparknischen, dem Apothekeneinbruch und einem fiesen Schlafmittelgemisch nicht zu begrenzt vorgekommen war.
„Ich kann meine Grabenkämpfe natürlich auch in einer von Touristen heimgesuchten Region stattfinden lassen. Bin doch kritikfähig, flexibel, kann auf Verlagswünsche mühelos eingehen. Lasse ich den Nebenbuhler eben nicht aus dem Hochhausfenster stürzen, sondern in einem Wasserfall ertrinken! Ich verzichte doch gern auf meine Ortskenntnisse, verlasse mich dafür auf fremde Stadtpläne und Werbeflyer, Internet und Co, zehre von Schulklassenbesuchserinnerungen!“
Er vertieft sich in seine Erzählung und sucht nach Möglichkeiten, seine Mittelklasse-Gegner in Arenen zu versetzen, aus dem Neubaugebiet eine Trabantenstadt zu machen, die Mafia einzubinden … es tut so weh.
„Passt nicht, wackelt nicht und hat noch zuviel Luft“, gibt Müller-Meier nach Stunden seufzend auf – und wendet sich nun dem anderen Extrem zu.
Den Bergen, Höhlen, Bächen, Schluchten, Wanderwegen und dem Wellness-Bereich für die Touristen, wo man doch auch stehlen und morden könnte …
Wird es was bringen? Bekommt er damit endlich den Fuß in eine der Verlagstüren?
… kommt der Weihnachtsdruck für viele.
Doch unsere Familie hält den Stresspegel immer noch gering (siehe das letzte Interview zu diesem Thema) mit Kaufen, Backen, Braten, Schmücken des Hauses.
Was aber nicht heißen soll, dass man keine eindrucks- und geschmackvollen Neuheiten zulassen sollte.
Zumal es sich um einen echten Insidertipp, um solch herrlichen Sträuße von der Blumenstube Uta Richter in Bad Liebenwerda handelt.
Da macht das Warten im Advent doch gleich noch mal so viel Freude …
… sangen wir heute zwar nicht auf dem eröffneten Uebigauer Weihnachtsmarkt … aber ich hatte sie dennoch, fieberte fast dem dort vereinbarten Treffen mit Carmen Lademann, der Gästeführerin und Vorsitzenden vom Heimatverein, entgegen – und der Übergabe des von ihr für mich genähten, kuschelig warmen Wintermantels im Mittelalter-Look.
Da kann ich jetzt beruhigt und voller Freude dem nächsten, historischen Weihnachtsmarkt am 12. und 13. Dezember in Strehla entgegensehen, wo ich den dortigen Besuchern neben unseren Romanen noch allerhand freudige Überraschungen anbieten werden kann …
… und dabei sicher nicht frieren werde … trotz des darunter zu tragenden, aufreizenden
, zeitgenössisch-luftigen Kleides – erworben von Silvia Tapp bei Gargoyle´s fantasy & more.
Also, Mädels: ein Einkauf bei Carmen und Silvia lohnt sich für euch allemal – und ich garantiere, dass es dabei nicht nur freudig, sondern regelrecht spaßig zugehen wird.
… wird unser Hund.
Ach, wie gemütlich war es noch vor zwei Wochen gewesen, als der kleine, das Wasser eigentlich lieben müssende Labrador(-mischling) ängstlich in der Wanne saß.
Von Angst bzw. Respekt ist aber nun keine Spur mehr.
In seinem Körbchen finden sich mit schöner Regelmäßigkeit ein Gartenschuh von mir, ein Halbschuh von unserer Großen und ein Hausschuh von der mittleren Tochter (warum er nicht auf Paare steht, kann ich mir aber nicht erklären) – und wenn er sich dort mal nicht mit den Schuhen vergnügt, spielt er mit uns Verstecken …
… schabt aber auch laut und deutlich am Wandputz, am Teppich, am Sessel … erbeutet Fußabtreter, Schuhputzlappen und die Plasteabdeckung von der Schuhpaste (die zeigt dann durch Klappern wenigstens auch ihren neuen Standort an).
Er zieht an Tischdecken, angelt sich auch schon von Hocker und Sofa die darauf befindlichen Dinge, vorzugsweise Fernbedienungen und Fernsehzeitungen …
… ruht sich nur ganz selten auf seinen Teletubbies aus
(pinkelt sie zurzeit lieber voll) und er …
… hätte gern einen Teil von unseren Schlemmerwürstchen, scheut deshalb auch nicht davor zurück, eines seiner Herrchen umzuschubsen.
Offenbar ist er immer hungrig, denn er schleppt halb verfaulte, halb vertrocknete Blätter von draußen rein und zerbröselt sie auf dem gesäuberten Boden (was mich verstimmt), leckt dafür jeden runtergefallenen Müslikrümel auf (was mich logischerweise erfreut), verspeist jedoch auch meine Notizzettel (was mich dann eher erschreckt).
Er hat schon Tragebeutel und den Ordner mit den Chorliedern angefressen (die Auftrittsmappe konnte ich gerade noch so retten), vergreift sich an den Nüssen in Reichweite, zutscht elegant das Dosenfleisch am Trockenfutter vorbei aus seinem Napf, zerrt Kartoffeln aus unserem Netz und spielt mit ihnen Fußball (so schnell kann ich die gar nicht verbrauchen, wie ich sie an die Hundezähne verliere … aber den angestammten Platz der Kartoffeln kann ich doch nun nicht auch noch nach oben verlegen!).
Noch schwieriger wird es, wenn ich mich hinunter auf sein Niveau begebe … mit ihm schmusen und balgen will, beim Festlegen der Rangfolge einige Bisse einstecken muss. Aber ich tu es immer wieder, jedoch ist er auch hier ungestümer, wirft sich vor mir auf das Schmusekissen, drängelt mich weg, während er andererseits so an meinen Blusenbändchen zieht, dass ich mir schon wie die freizügige Magd von Tyme vorkomme.
Aber für euch fotografieren kann ich das nicht mehr.
Denn er ist IMMER schneller und wendiger, wird frecher und fordernder …
Knurrte Alice in „NEW MOON – Biss zur Mittagsstunde“ – und ich, bekennender Fan jenseits der Zielgruppe, lachte auf. Es war aber das einzige Mal während dieser „Ladies Preview“-Vorstellung.
Ansonsten tränten mir die Augen – aber nicht wegen der Tatsache, dass Bella von Edward verlassen wurde. Nein, da hatte ich mich schon beim (mehrmaligen) Lesen des hervorragend geschriebenen Buches ausgeweint. Vielmehr quälten mich heute Abend die vielen Paare in der Visionsbar des Kinos.
Denn egal, ob Bella schmachtete, Edward seufzte, Jacob warb – immer klickten Feuerzeuge um mich herum. Ich war beim Kartenkauf nicht über die Raucherzone informiert worden und inhalierte nun ungewollt von den knapp 30 Zuschauern schätzungsweise 200 Zigaretten binnen des Films … und durfte mich dann noch über geteilte Darsteller freuen (saß nämlich ungünstig vor einer Fuge, Falz, Spalte in den Glaswänden) … unterdessen ich mich über den Service, das Bringen des fast geschmolzenen Eisbechers 55 Minuten nach der Bestellung, zur Zeit des Hauptfilmes wirklich ärgerte (hätte gern während der vorher ausgestrahlten Werbeblöcke genascht und gesehen, was ich mir in den Mund schiebe …)
Tja, wie meinte Bella einst so schön: „Es zerstört die Romantik.“
(Mein eigener Hund übrigens freute sich zwar unbändig über mein Heimkommen, schnupperte dann jedoch irritiert an meiner Bluse, nieste erbarmungswürdig, lutschte und knabberte nicht mehr an meinen Fingern … wollte offensichtlich MICH lieber rauslassen …)
(Teil 1, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Das kann doch nicht wahr sein!“, flucht Müller-Meier beim Blick auf den großen, dicken Umschlag in seinem Briefkasten.
Er braucht ihn nicht zu öffnen, um zu wissen, dass eine Kopie seines mit viel Disziplin, Schweiß und Hingabe geschriebenen Manuskriptes enthalten ist. Zurückgesandt von dem Verlag, den er angeschrieben, dem letzten, auf dessen Reaktion er noch gewartet hatte.
Was war schief gegangen?
Er hatte sich mit der Geschichte so bemüht, jahrelang am Stil gefeilt, eine fesselnde Handlung und faszinierende Figuren entwickelt, überraschende Wendungen und Cliffhanger eingebaut, das Exposé nach gängigen Vorgaben erstellt, eine vielversprechende Leseprobe beigelegt, und nur die Verlage mit den passenden Programmen für die Zusendung herausgesucht.
Er hatte euphorisch die Großen der Branche angeschrieben, monatelang gewartet … und standardisierte Absagen gesammelt. Versuchte es später – etwas weniger berauscht – bei den kleineren, unabhängigen Verlagen …
Er riss den Umschlag auf und zerrte das Anschreiben heraus, überflog grimmig das „hat nichts mit der Qualität Ihres Werkes zu tun“, stöhnte bei „wünschen Ihnen trotzdem viel Erfolg“ und stutzte bei der ersten individuellen Bemerkung, die er erhalten hatte. Die Geschichte war abgelehnt worden, weil sie zu speziell regional wäre?
Wieso das? Sie würde doch perfekt in eine der Rubriken dieses Verlages passen, ähnelt sogar den darin schon publizierten Titeln ohne mit diesen zu kollidieren … und wieso sollte ausgerechnet seine Geschichte keine überregionalen Leser finden?
„Das ist ein Vorwand, eine Ausrede, ein Winkelzug“, findet Müller-Meier. „Aber ich kenne noch ein paar Kunstgriffe, werde auch eure Hintertüren aufspüren!“
Er entscheidet, dass es Zeit für Plan B ist.
Es regnet schon seit Stunden nicht mehr, die Wolkendecke reißt sogar auf, und auch der Wind hält sich zurück, pfeift nicht mehr über das Grundstück.
Da kann ich also endlich Laub harken – mit Nero, der wie ich vermute, seine helle Freude an den Blätterhaufen haben wird.
Doch er belehrt mich eines Besseren.
Während ich mühsam das matschige Zeug zusammenkratze und mich immer wieder bücken muss, um Nüsse und Kastanien einzusammeln, liegt er faul auf der Terrasse, schaut er mir gähnend zu.
Eine Weile lasse ich mir das gefallen, hole ihn dann aber vom Thron, lege ihn an die Leine und führe ihn zu meinen riesigen Stapeln, riskiere damit sogar das Auseinanderreißen, Zerfetzen, Zerstören meiner Arbeit.
Doch seine Hoheit tut nichts dergleichen. Er legt sich ins Gras und straft mein Laub mit Nichtachtung.
Na gut. Ich kann auch anders, bin sowieso am längeren Hebel – und binde ihn an die Schubkarre an, lasse ihn teilhaben am Wegschaffen des Laubes.
Er bedankt sich dafür mit Bocken, Winseln, Verstecken hinter Baumstämmen, absichtlichem Verheddern der Leine.
Doch ich gebe diesmal nicht nach, halte tapfer während der 10 Ladungen durch. Biete ihm für seinen Einsatz sogar Leckerlis an.
Er verweigert sie – und prescht, sobald ich ihn von der Leine lasse, unter die Sitzbank in der Küche. Bleibt dort und straft nun mich mit Nichtachtung … für mehrere Stunden.
Es ist das erste Mal.
Na gut, vielleicht der eine oder andere Autor, aber ich nicht.
Deshalb hat mich das heutige Gespräch mit einer Leserin auch verwundert, fast schon verunsichert.
Sie rief zum ersten Mal hier an und bezog sich auf meine Lesung vor knapp 13 Monaten in Hoyerswerda, als ich den Krimi vorgestellt hatte. Hauptsächlich wollte sie mir zwar erzählen, dass der in meiner Romanhandlung auch vorkommende, damalige spektakuläre Kriminalfall wieder im Fernsehen besprochen werden würde, doch dann schwatzten wir angeregt über Hoywoy, kramten Erinnerungen hervor an Kriminelles, Gemütliches und Drolliges.
Aber dann kam sie – die Frage, die ich am Telefon, nach 13 Monaten nicht erwartet hatte.
„Sie schreiben in Ihrem Buch von einem Mann mit Gehfehler? Da gibt es einen in der Nähe, aber den meinen Sie nicht?“ Um Himmels willen! Natürlich meine ich den nicht (denken das etwa viele Leute?!).
Und schon steckt man als Autor in der Klemme. Einerseits muss man so detailreich und authentisch wie möglich rüberkommen – wozu auch gehört, Erwähnenswertes, Interessantes, Berührendes, Verstörendes zu beobachten, festzuhalten, dem Leser irgendwann nahe zu bringen – doch andererseits sollte man nie, nicht, nimmer einen echten Menschen in voller Pracht darstellen und damit womöglich verprellen.
Mein Pech, dass ich nicht wusste, dass in der Nähe meines Handlungsortes nun einer lebt und arbeitet, der meinem Kaspar aus dem Roman ähnelt.
Und mein Glück, dass die in unseren anderen Romanen vorkommenden Plünderungen, Schändungen, Folterungen, Intrigen und Treuebrüche historisch zwar belegt sind, niemand jedoch die gemeinen Kerle und schlüpfrigen Frauenzimmer, viele pikante Sachen mit seinen eigenen Nachbarn in Verbindung bringen müsste.
Dachte ich zumindest … bis mir vor kurzem jemand erzählte, dass die Leute (erfreulicherweise!) an einem der Romanschauplätze das Gehöft und die Nachfahren des grausam behandelten Wirtes suchten … nach 370 Jahren …
In Bezug auf Wuchs und Kraft:
Merkt man am besten am Schwanz (der täglich fast einen Zentimeter länger wird … beeindruckend!) und an den Zähnen. Meine Hände und Arme können bereits locker mit denen von Katzenbesitzern mithalten, auch Zehen, Ohrläppchen, Kinn und Nase haben die Beißerchen schon zu spüren bekommen. Wie auch Sofa, Tischbeine, Elektrokabel, Tüten, Taschen, Körbe und Kartons, Papprollen und meine Hausschuhe. Dabei habe ich vorsorglich Kauknochen und Gummiring, Kaustreifen und Gummiknochen besorgt, sogar extra einen alten Latsch zum Knabbern zur Verfügung gestellt – aber was tut Monsieur? Arbeitet am Zerlegen seines Körbchens, zieht mir ständig meine Schluppen von den Füßen und prescht damit davon (er lässt sich damit allerdings auch in ein anderes Zimmer locken – was mich wirklich wundert!).
Hat er überhaupt Respekt?
Ja, etwas. Noch. Vor Dunkelheit, Straße, Wald und den Stufen im Treppenhaus – damit ist auch mein Büro noch sicher. Aber in den anderen Zimmern lässt er mich trotzdem nicht richtig arbeiten (hat sich zwar im Vergleich zu diesem Bericht schon gebessert – weil ich ganz offensichtlich zu heiß für ihn bin
– denn er schleicht sich mit Vorliebe hinter mich … und wenn ich ihn dann versehentlich schubse oder trete, quietschen wir beide erschrocken um die Wette).
Schlafen lässt er uns nun (im Gegensatz zu den ersten zwei durchjaulten Nächten) – doch zum ausgiebigen Kochen von Mittagessen komme ich immer noch nicht (mal sehen, wie lange die Familie das mitmacht).
Auslauf für alle!
Nero bockt unheimlich beim Anlegen der Leine – legt die Ohren an, macht sich steif und presst sich auf den Boden. Und wenn er sich dann – nur bei mir
– durchgesetzt hat, die Leine los ist, meistert er gekonnt die Terrassenstufen, scharrt schon an meinem mühsam aufgeschichteten Steingarten, pfeffert die Anhöhen bei uns rauf und runter, durchrobbt Rinnen und Furchen, schlängelt sich durch Hecken und pieksende Nadelbäume hindurch, wartet manchmal auch höflich, bis ich endlich aufgeschlossen habe.
Fein. Ich wollte ja Bewegung haben.
… dann kann er was erzählen.
Besonders Autoren auf Lesereise.
Ich z.B. hatte diesmal zwar nur einen abendlichen Termin in Calau (Brandenburg), aber da zum Jahresende hier überall Unmengen von Bauvorhaben begonnen wurden und frau sich über zahlreiche Sperrungen freuen kann … konnte ich wieder nicht auf dem schnellsten Weg heimkommen.
Erst führte mich kurz vor Finsterwalde eine Umleitung nach Berlin … (und da es sich auf der Autobahn schlecht wenden lässt, mussten wir bis zur nächsten Abfahrt – „Huhu Calau, wir sind wieder da!“ – aushalten), dann piepte die Tankanzeige. War nicht so schlimm, es gab ja die Reserve – und wir hatten es nicht mehr allzu weit. Doch leider verpassten wir durch angeregtes Schwatzen unsere übliche Tankstelle – und da wir nicht schon wieder zurück fahren wollten, suchten wir die nächste Möglichkeit auf.
Hätten wir aber nicht tun sollen.
Denn diese Tankstelle war 22.30 Uhr plötzlich geschlossen, die folgende längst pleite gegangen, die dritte ebenfalls verrammelt und verriegelt – und im Reservetank schwappten noch einsame 0,3 Liter … für notwendige 13 km … durch Wälder und Wiesen … und zur allerletzten Gelegenheit mit einem Nachttankautomaten. Boah! Wenn ich nun die EC-Karte nicht dabei gehabt hätte …










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