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Wurde mir gerade bescheinigt.

Ja, die muss ich auch haben. Für die Recherche und das Schreiben des neuen historischen Romans, für die Stände auf Messen und Märkten, für meine Teilnehmer am derzeitigen Schreibkurs, für das Organisieren von Lesungen, Weiterbildungen, Stadt- und Erlebnisführungen, für Lieferungen, Telefonate und Besuche bei Buchhändlern und Veranstaltern, für Blogbeiträge und Homepage-Aktualisierung, für die Bedürfnisse von Kindern, Hund und Mann (bitte nicht von der Reihenfolge auf die Priorität schließen ;-) ), für Chorproben, Auftritte und Sporttermine, diverse Angebotsschreiben und Antworten, Kündigungen , Reklamationen und Vereinbarungen, Buchhaltung und Steuererklärung , einen kleinen Wasserschaden …

Gemeint war aber das Besorgen der Kleider für die Jugendweihe unserer Mittleren, die in 4 Tagen stattfindet.

Zwar hatten wir die Sachen schon vor Wochen bestellt, aber leider war mir entfallen, rechtzeitig nachzuhaken. Sonst hätte ich eher gehört, dass Islands Aschewolke (und damit die Nichtlieferung von traumhaften Hüllen) auch auf uns Auswirkungen hat.

Aber ich habe ja noch ein paar Nerven. Gleich fahren wir zum Geschäft (einfache Entfernung 30 km ;-) ), suchen uns etwas anderes und kümmern uns danach um die Schuhe. Denn die fehlen auch noch. Und Stellprobe mit eben diesen Schuhen ist … morgen.

Aber ich kann improvisieren – und kann auch der Friseuse nicht böse sein, die den (vor Monaten festgeklopften) Termin für das Färben der Strähnchen gestern verlegen musste, wegen Doppelbelegung.

Ich kann das verstehen.

Ich hab da mit dem Stand auf dem Frühlingsfest in Elsterwerda etwas ganz anderes erlebt – und heute dazu den Gipfelpunkt :-) .

Angefangen hat es mit dem POP PROJEKT Veranstaltungsservice, dessen Geschäftsführer sich jedes Jahr rührig um Aussteller bemüht und auch mir einen anständigen Platz zum Präsentieren meiner Leistungen anbot … allerdings hatte ich gleichzeitig ein unschlagbares Angebot der Lausitzer Rundschau … mit Schirm, Charme und einem langen Tisch. Dazu an allen Seiten angenehme, hilfsbereite und unterhaltende Gesprächspartner: Mitarbeiter des Renault-Autohauses Lehmann, die Gästeführerinnen aus Mühlberg, die Bäckersfrau Sophie aus Torgau und die freie Journalistin Mona Claus.

Da konnte ich glatt mit Entspannung, Elan und Begeisterung die Romane und meine neuen Touren als Gästeführerin

darbieten, während es anderen nicht so blendend ging.

Besonders die Zeitungsente Paula Print tat mir leid, wie sie/er bei gefühlten 20° C im eigenen Saft schwamm … aber ich bedauerte nur so lange, bis ich aufhorchen musste. Denn plötzlich hatte mich der lebhafte Moderator erwähnt – und ich straffte mich sofort, erwartete unruhig, schlagfertig auf irgendwelche Fragen antworten zu müssen.

Doch nichts dergleichen. Der gute Mann schickte mir stattdessen in begeisternder Regelmäßigkeit Besucher zu meinem Tisch – und das ohne Auftrag, ohne Honorar, ohne Verpflichtungen meinerseits.

Wo, frage ich, gibt es das noch mal?

Heulte neulich unsere Große, weil Nero das erste Mal sein Bein gehoben, einen Laternenpfahl markiert hatte.

Ich kann das nur bedingt bestätigen, da immer noch keiner vor seinen jugendlich-ungestümen Annäherungen (damit meine ich das mit einem Affenzahn heranstürmende Riesentier mit angelegten Ohren, heraushängender Zunge und blitzenden Reißzähnen) sicher ist. Weder Nachbars Katze noch ahnungslose Spaziergänger.

Deshalb mussten wir uns schnellstens etwas überlegen, eine wirksame Sperre besorgen – und gefunden haben wir sie bei PetSafe, den Super Radio Fence, einen in stundenlanger, mühsamer Kleinarbeit ;-) zu vergrabenden Radiozaun. Ursprünglich betrachtete unser Kaiser den Draht als Spielzeug

und das Schuften der Familie als Kino-Vorführung.

Er ignorierte bei den Testläufen auch gekonnt die immer mahnender erschallenden Warntöne

– zumindest bis zu dem Tag, als der Strom kurz zuschlug.

Mir tat es mehr weh als ihm – aber da der Zweck die Mittel (manchmal) heiligt …

Jedenfalls bleibt er seitdem respektvoll der Ausfahrt fern (anfangs wagte er sich nicht mal aus dem Haus), jagt nun keine Radfahrer mehr, nötigt kein Auto zur Vollbremsung (und straft uns mit Abscheu, wenn wir uns mit dem Empfänger nähern). Er kann auch nicht mehr die auf der Mauer provozierende Katze zähmen, seinen Boxerfreund von gegenüber besuchen.

Wie gut. Denn es ist ja (wie ich mittlerweile erfuhr) eine Boxerin … und ganz in der Nähe gibt es noch zwei Labrador-Weibchen …

Möchte ich manchmal den gefrusteten, dem Pauk-Ende entgegen fiebernden Schülern zurufen (habe ja selbst mehrere Exemplare davon zuhause ;-) ). Aber gut, nicht jeder will Autor oder Gästeführer werden, muss daher auch nicht fesselnde Anekdoten im Archiv ausgraben

oder sich für die Vorbereitung von Erlebnistouren, Ausflügen und Stadtführungen in seine alte Uni-Bleibe, die diesjährige Gastgeberstadt für die Gästeführertagung begeben.

Dort hörte ich mir zwar nichts mehr über Verfahrenstechnik, Strömungsmechanik und die Veredlung von Kohlenschlämmen (mein uraltes Spezialgebiet ;-) an der Bergakademie) an, aber ich lernte wieder Spannendes über die Stadt (auch, was man als Gästeführer nie tun sollte), Attraktives über Versicherungen bei den Vorträgen

(faszinierenderweise im Festsaal und in der gemieteten Nikolaikirche) und bei den Workshops (wobei der von mir gewählte durch den Ausfall der Technik etwas verunglückt war … so dass wir den „Aufbau der Homepage“ als Trockenschwimmen veranstalten mussten). Ich erfuhr sogar Dinge über die Bergmänner, die ich während meiner gesamten Studienzeit nicht gesagt bekommen hatte, erfreute mich unheimlich an Aufmarsch und Konzert der Saxonisten,

beobachtete genau, was eine gute Veranstaltung ausmacht (und empfehle nebenher sehr gern einen Besuch in Freiberg und natürlich auch die Buchung der Gästeführer in Berlin, München, Würzburg, Berching, Heidelberg, Eisenach, Mühlberg, Uebigau … ;-) ).

Ich lernte also von den Besten – und werde mein gesammeltes Wissen gern weitergeben, so dass ihr für Zeitreisen zu den Schlössern und Herrensitzen im Elbe-Elster-Gebiet, für das Erleben von geheimen Missionen im Mittelalter und das Fühlen mit den Opfern des 30-jährigen Krieges nur noch meine Kontaktdaten auswendig lernen müsst ;-) .

(Teil 9, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)

„Wie hast du das geschafft, wie den Verlag für dich interessieren können, MM?“, fragt Anika bewundernd und ordnet den Stapel Papiere.

„Müller-Meier ist out.” Er tippt auf das Deckblatt, fährt pathetisch mit dem Finger über die Autorenangaben. „Du sprichst jetzt mit Yannik honey fungus, der sich in der Verlagsbranche ausbreiten wird wie ein Pilz im Wald, voll mit Sporen, getragen vom Wind, umspielt vom Regen.“

„Bist du unter die Biologen gegangen?“

„Quatsch. Aber die Lektorin des Verlages möchte“, er zieht eine Seite mit Anmerkungen hervor, „dass ich zum Beispiel bildhafter schreibe. Also übe ich das.“

„Was will sie noch?“

„Dass ich meine Handlungsstränge mehr ausrichte und“, er seufzt, „einige Passagen komplett umschreibe.“

„Sie hat sich in der kurzen Zeit dermaßen eingelesen?“ Anikas Verblüffung wird fühlbar. „Dann musst du mit deiner Idee ja zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein, offene Türen eingerannt haben.“

„Ja“, er lacht auf, „die Tür zu ihrem Büro war offen gewesen, als ich im Verlag vorbeischaute.“

„Und sie hat sich gleich um dich gekümmert?“ Misstrauisch schürzt Anika die Lippen. „Ihre Regale waren nicht voll mit Projektordnern, die Tische quollen nicht über, das Telefon klingelte nicht ununterbrochen, der Monitor war nicht beklebt mit Erinnerungszetteln?“

„Doch, aber der Praktikant, den ich kurz vorher auf der Messe getroffen und gesprochen hatte, lotste mich an allem vorbei.“

„Der Praktikant?!“

„Ja, ihr Sohn und ein ehemaliger Schulkamerad von mir“, er lacht schallend. „So viel zu Plan B, meinem Vitamin B, meiner förderlichen Beziehung.“

„Klasse!“ Sie lächelt und beugt sich wieder über die Papiere. „Kenne ich den Verlag?“

„Äh, es ist nur ein kleiner. Aber“, setzt er schnell hinzu, „deswegen nicht weniger erfolgreich. Mit einem Dutzend vertretener Autoren und oft in der Presse zu finden.“

„Und wo ist der Haken?“

„Sei doch nicht so negativ“, zieht er sie auf. „Das hast du jedenfalls früher zu mir gesagt.“

„Schon, aber das hier“, sie deutet auf das Blatt mit den grünen Anmerkungen, „ist fast zu schön, um wahr zu sein. Bis wann musst du denn die Änderungen eingearbeitet haben?“

„Innerhalb dieses Vierteljahres.“

„Ha, erst dann wird darüber entschieden?“ Sie winkt ab. „Vielleicht wollte dich die Lektorin nur abwimmeln oder hinhalten. Vielleicht kommt das böse Erwachen, die Absage vom Verleger wegen der mangelnden Verkaufschancen oder eines schon besetzten Programmplatzes eben etwas später.“

„Von wegen!“ Er ist wirklich empört. „Das hat mit dem Zeitplan zu tun. Für Lektorat und Grafik, Layout und Umschlaggestaltung, für Satz, Druck, das Binden und die Buhlphase.“

„Was soll denn das sein?“

„Die Zeit zum Wecken der Aufmerksamkeit von Vertretern, Buchhändlern und Presse, die Phase der Ankündigungen und Vorabdrucke bis zum Veröffentlichungstermin im nächsten Frühjahrsprogramm.“

„Steht das so im Vertrag?“

„Nein, das hat mir der Verleger beim Kaffee erklärt. Denn auch er traut mir zu, das Manuskript an die Vorgaben fristgerecht anzupassen. Offensichtlich im Gegensatz zu dir.“

„MM, ich will doch nur“, schmeichelt sie, „dass du nicht schon wieder enttäuscht wirst, dass du in der Vorfreude über die erste Verlagszusage dennoch das Kleingedruckte beachtest.“

„Mach ich doch!“ Er lehnt sich zurück und fängt an zu überlegen, wie er die nörgelnde Anika loswerden könnte.

Doch sie scheint bleiben und sich versöhnen zu wollen. „Also, ein Gespräch mit dem Verleger höchstpersönlich ist wirklich erfolgversprechend, ehrlich. Was hast du denn mit ihm noch ausgehandelt?“

„Ob ich Lesungen halten will und weitere Buchideen hätte. Ob ich an einer längerfristigen Zusammenarbeit interessiert sei und deswegen …“ Er zögert. Soll er ihr von den überraschenden Konditionen überhaupt erzählen?

Da ist zum Beispiel Neros Eifersucht, wenn er mit Eifer sucht und Leiden schafft … immer dann, wenn ich den Sohn knuddeln oder meinen Mann mit einem Küsschen begrüßen will (von ausgiebigen Küssen reden wir schon gar nicht mehr ;-) ). Dann springt der mittlerweile einen Meter lange Kerl (mit anhängenden und wedelnden 40 cm Schwanz) hoch, drückt mir die pampigen Pfoten gegen den Oberkörper, schiebt seine Schnauze als Trennmittel zwischen unsere Gesichter, verliert dabei meistens den Halt und ratscht mit den Krallen an mir herunter, zieht Fäden, bohrt auch mal ein Löchlein in die Kniekehle, fiept – meine Schmerzensschreie dabei übertönend – herzzerreißend und drängelt sich schlussendlich sabbernd zwischen unsere Schienbeine. Natürlich freue ich mich besonders über diese Attacken bei frisch gewaschenen oder besonders feinen Sachen (mit verstärktem Frohsinn durch das abgestreifte Winterfell).

Doch ergreifender ist seine rührende Treue. Er schläft unter dem Tisch, wenn ich schreibe, telefoniere, surfe (ich merke es spätestens dann, wenn ich meine Füße ausstrecken will und an diese Fellsperre stoße) – quält sich jedoch schlaftrunken hoch, sobald ich das Zimmer verlassen will. Und ich schaffe es nie, die Küche, das Bad, ein anderes Zimmer auch nur für eine Minute ohne das bedauernswert müde Kerlchen zu betreten oder zu verlassen, denn entweder blockiert er unverzüglich die nächste Tür oder legt sich in weiser Voraussicht gleich auf meinen Fuß, um sich bei der kleinsten Bewegung wieder wecken zu lassen.

Laut wird es dagegen, wenn er in wachem Zustand ausgesperrt wird (er erträgt es einfach nicht, uns im Wohnzimmer bei einem spannenden Film zu hören) – und es wird gefiept, was das Zeug hält. Das Schnuckelchen hat natürlich schnell gemerkt, dass (hauptsächlich) ich seine Fiep-Frequenz nicht lange ertragen kann – also erpresst er sich dadurch das Öffnen sämtlicher Türen, das Teilen von Wurst und Fleisch, ausreichend Spielzeit und vor allem Fernseh-Knochen (das sind seine Schlabberdinger, die er partout nur auf dem Teppich vor dem Fernseher genießen möchte) und Erdgeschoss-Geselligkeit. Die ist nämlich nötig, weil sich unser Kaiser immer noch nicht auf die Treppe traut (es könnte ja sein, dass er wieder in die Wanne gesteckt wird … und dagegen stemmt er sich genauso vehement wie bei jeglicher Autofahrt) – und nun kommt zu seinen Angstgegnern manchmal noch der Außenbereich dazu, herrje.

Allerdings findet er draußen auch genügend Hunde-Schmeckerlis … immer größere Fundstücke. Und achtsam werde ich immer, wenn er sich entgegen seiner Gewohnheit im Wald beharrlich von mir entfernt. Natürlich schaue ich dann erst recht nach … und letztens entdeckte ich etwas in seinem Maul, dass von weitem wie ein Stück Holz aussah. Ich wollte es logischerweise genauer wissen (ich erinnere hier nur kurz an den angenagten Vogel, die gefrorene Maus) – doch erst nach einer aufreibenden Jagd konnte ich mir sicher sein, dass Nero mal wieder etwas ehemals Lebendes zwischen seinen Zähnen hatte. Es sah aus wie ein Riesenschnabel … und ich tippte auf einen Entenkopf … bis ich bemerkte, dass auch der Schnabel Zähnchen hatte und nach Fisch stank. Öhm … ein vergammelter Hechtkopf, gefunden im trockenen Mischwald.

So weckt Nero aber keine Leidenschaften bei mir.

Als Hindernis fügen wir noch „Wohnort in der Provinz“ mit fehlendem Reisezentrum und vernagelten Bahnhofsgebäuden und tagsüber oft unbesetzten Schaltern in den Nachbarstädten hinzu. Aber es gibt ja das WWW und zum Glück kämpfen sich selbst hier die Daten tröpfchenweise durch die Leitungen, so dass Online-Buchungen kein Problem darstellen (wenn man darauf steht, einen Nachmittag im Netz zu verbringen, um 2 läppische Fahrkarten zu kaufen).

Interessant wird die Sache aber, wenn man gemäß Kleingedrucktem der DB Bahn eine Ehepartner-Zusatzkarte zur BahnCard bestellen möchte. Das geht nämlich nur, wenn eine Kinderkarte mitbestellt wird (damit doppelter Preis, versteht sich).

Doch dafür reicht dann aber logischerweise ein Nachmittag nicht mehr aus. Denn man fliegt – nach erfolgreicher Durchleuchtung und Benutzerkonto-Einrichtung – „zur eigenen Sicherheit“ immer wieder aus dem System, wenn die zahlreichen, ebenfalls kleingedruckten Zusatzbedingungen und Voraussetzungen gelesen werden … nennt sich auch Zeitüberschreitung.

Ist diese Hürde endlich gemeistert … findet man heraus, dass für die gewünschten Servicekarten erst Fotos und Nachweise hochgeladen werden müssen. Also Scanner angeschlossen und Passbilder, Stammbaum und Personalausweis gesucht, eingescannt und im gewünschten Format gespeichert (jetzt sind wir schon beim nächsten Arbeitstag angekommen ;-) ).

Und dann wird wieder (nee, nicht in die Hände gespuckt) angemeldet, ausgefüllt, hochgeladen … nur um plötzlich festzustellen, dass BahnCard-Nutzer ihre Zusatzkarten doch nur in Verbindung mit einer neuen Hauptkarte bestellen können.

Tja, ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon gesehen, dass frisch-fröhlich weitere 57,00 € gefordert wurden … aber als alte Computer-Tante noch gedacht, dass durch die Eingabe der BahnCard-Nummer (und möglichem Abgleich mit der Geltungsdauer ;-) ) die sinnlose Forderung nach einer doppelten Gebühr ausgehebelt werden würde. Da hatte ich aber wohl die Programmierer überschätzt.

Und was bleibt dann übrig, wenn die böse Technik keine zufriedenstellenden Schaltflächen mehr bietet? Genau, eine kostenpflichtige Telefonnummer.

Damit man den Satz hört: „Darauf habe ich keinen Zugriff, wenden Sie sich bitte an …“ Richtig, wieder an eine kostenpflichtige Nummer. Mit einer jungen Dame dran, die erst „Hier sind Sie falsch!“ ausrief und dann entsetzt fragte: „Denken Sie, dass Sie die BahnCard kostenfrei bekommen?“ (Damit keine Missverständnisse aufkommen: ich kann mich im Allgemeinen verständlich ausdrücken und hatte auch eine der deutschen Sprache mächtigen Mitarbeiterin am Apparat.) Nein, ich dachte nicht, dass ich bei der Bahn etwas umsonst bekäme – hatte jedoch auch keine Lust, auf meine Kosten den Vorgang noch einmal zu erzählen … tat es allerdings gezwungenermaßen und zähneknirschend, um dann zu vernehmen: „Darauf habe ich keinen Zugriff.“

So, nun werde ich also in die 17 km entfernte Stadt zum nächsten Schalter fahren, dort meinen Wunsch vortragen und mich beeilen müssen (denn die schließen heute schon um 16.15 Uhr).

Die Bahn macht wirklich mobil.

(Teil 8, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)

„Toll, dass es dich auch noch gibt!“ Er bemüht sich um einen finsteren Blick und tastet nach dem großen Umschlag auf dem Tisch. „Wolltest du mir nicht schon vor zwei Wochen beim Exposé helfen?“

„Ja“, Anika grinst nicht sonderlich reumütig, „aber ich hatte dringende Angelegenheiten.“

„Und wenn nun in der Zwischenzeit“, er versucht wenigstens, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, „ein anderes Manuskript angenommen, mir der Programmplatz weggeschnappt worden wäre?“

„Unwahrscheinlich.“ Sie schüttelt überzeugt den Kopf. „Oder würdest du dich als überlasteter Lektor ausgerechnet jetzt auf ein unverlangt eingereichtes Manuskript stürzen?“

„Warum nicht?“

„Schließlich stecken alle noch in den Nachwehen der Buchmesse und erfahrungsgemäß werden dabei Neulinge genauso gern bearbeitet wie kurz vor den Messen und Vertreterkonferenzen.“

„Ha“, triumphierend hebt er den Umschlag hoch, „aber ich hab mich darum nicht geschert und es trotzdem getan.“

„Alles schon eingereicht?“ Sie reißt die Augen auf. „Ohne zu …?“

„Genau. Und auf den Verlag zugeschnitten.“ Er nickt stolz. „Wie bei einer Job-Bewerbung. Selbst das Anschreiben war ganz individuell und sollte ködern.“

„Das will ich sehen.“ Sie streckt die Hand nach dem Umschlag aus. „Du hattest dir inzwischen wirklich überlegt, in welchem Genre dein Buch anzusiedeln wäre?“ Ihr Tonfall wird ansatzweise zickig. „Für welche Lesergruppe es interessant wäre?“

„Ja, liebe Anika, meine Zielgruppe konnte ich damit ermitteln.“ Er stöhnt verhalten und zieht die Papiere aus ihrer Reichweite. „Du kannst mir glauben, auch einen brauchbaren Arbeitstitel habe ich allein gefunden. Und sogar rausgefunden, warum ich eigentlich meine Lieblingsbücher auflisten sollte.“

„Ach, nee.“

„Hattest mir ja genug Zeit gelassen“, er schwenkt den Umschlag, „auf diese Weise meinen bevorzugten Verlag zu entdecken und die offensichtlich von mir geliebten Kategorien. Von dem Punkt aus war es mit den Schreibratgebern auch relativ einfach, mein Manuskript in die geeignete Reihe einzuordnen und im Exposé ein Format vorzuschlagen.“

„Mach es nicht so spannend!“ Sie schnappt nach den Papieren – vergeblich.

„Entspann dich. Was willst du wissen? Ob ich an daran gedacht habe, außer dem Manuskriptumfang auch Ort und Zeit der Handlung anzugeben?“ Ihm macht es Spaß, sie zappeln zu lassen. „Hatte ich doch schon das letzte Mal getan. Und diesmal führte ich sogar die Perspektive des Erzählers an, wie auch einen gekürzten Überblick über den Inhalt.“ Er betont die folgenden Worte, als gäbe er ein Staatsgeheimnis preis. „In Form eines Klappentextes.“

Doch sie macht ihm nicht die Freude, vor Ehrfurcht zu erstarren. „Und wie ist es mit dem Überblick über die Hauptfiguren? Wie entwickeln sich deine Personen während der Erzählung?“

„Rasant und überraschend.“ Er grinst. „Ist alles erledigt. Auch meine Szenenübersicht habe ich verbessert, jetzt die spannendsten Stellen angeführt.“

Sie gibt auf, lässt den noch immer ausgestreckten Arm sinken. „Ich nehme an, dass du die Leseprobe ebenfalls beigelegt hast?“

„Das erste Kapitel, wie von dem Verlag gewünscht. Direkt im Anschluss an meine aufgehübschte Vita“, lacht er.

„Ach, hast du doch ein kriminell gutes Beispiel, ein Idol, einen Promi in deiner Ahnenreihe gefunden?“

„Nein, aber ich konnte belegen, warum ich mich in meinen Helden hinein versetzen und mit ihm fühlen kann, dass regionales Insiderwissen nicht zu unterschätzen ist … und damit kann ja wohl jeder Witz von einer Veröffentlichungsliste wettgemacht werden, nicht?“

„Ich weiß nicht“, sie zuckt mit den Schultern. „Dein Enthusiasmus in allen Ehren, aber ob die Assistenten und Sekretärinnen, das Lektorat und die Programmleitung, der Verleger und seine Vertriebsleitung das genauso sehen …“

„Hast recht“, er überreicht ihr endlich den Umschlag, „deshalb hab ich mich ja auch nicht mehr an einen Giganten, sondern einen Regionalverlag gewandt. Du weißt, kleinere Brötchen und so …“

Sie zieht die Papiere hervor, fängt an zu lesen und murmelt verblüfft: „Aber das ist ja …“

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