Du durchsuchst gerade das Monatsarchiv für den Januar 2012.

Als Kunde freundlich zu bleiben, meine ich.
Denn beim Bäcker bekam ich neulich meine Brötchen mit einem Schmunzeln eingepackt – aber das Erwiderungslächeln verging mir, als ich beim Bezahlen sah, dass die Frau neben mir andere Exemplare erhielt. Ofenfrische, duftende Brötchen.
Vielleicht lag es ja daran, dass ich kein Stammkunde war?
Doch dann hätte ich kurz darauf bei meinem üblichen Bäcker, wo wir uns ständig freundlich begegnen, den erwarteten frischen Kuchen erhalten müssen, statt eines gefrorenen …
Also versuchte ich es nun anders herum, mit dosiertem Wohlwollen.

Ging in den Großmarkt an die Fleischtheke und bestellte bei der jüngeren von zwei dort herum stehenden Verkäuferinnen normal, ohne besonderes Grinsen, eine größere Menge Fleisch, welches in Scheiben getrennt werden sollte. Sagte doch darauf die ältere zur jüngeren: „Nimm die hier, die sind schon geschnitten.“ Weil ich mit der Einmischung und Bevormundung aber nicht einverstanden war (abgesehen davon, dass die Scheiben schon angetrocknet wirkten), sah sich die jüngere prompt nicht mehr in der Lage, fingerdicke Scheiben aus dem Rückensteak zu schneiden, ohne mit den Augen ob dieser nervenden Kundin zu rollen. Auf meine relativ freundlich formulierte Beschwerde hin erhielt ich die Auskunft, dass sie nur so reagiert hatte, weil sie das erste Mal in ihrem Leben Fleisch schneiden sollte. Aber es lag vielleicht eher daran, dass der Großmarkt gerade seine Schließung vorantreibt und auch diesen Mitarbeiterinnen gekündigt hatte … und sie sich deshalb um Kundenzufriedenheit nicht mehr so kümmern wollten.

Doch welche Ausrede hatte nun die Spedition, die mir einige Tage später meine Bücher mit noch erstaunlicherer Kundenbehandlung lieferte?
Die Bücher, welche die neue, tragische Geschichte um Martha und Andreas enthalten und auf die meine freundlichen Kunden längst warten?
Wo ich schon wegen der verzögerten Acht-Parteien-Abstimmung im Weihnachtsgeschäft, Unfällen und Krankheiten, Maschinenschaden, Betriebsruhe und reklamationsbedingter Verlängerung um deren Wohlwollen kämpfen musste?
Aber ich schaffte es, freundlich zu bleiben, während ich bei Druckerei, Buchbinder und den beteiligten Speditionen nachhakte / nachhaken ließ. Besonders bei dem Lieferdienst, der zum Schluss meine Sendung auf dem Weg (240 km Luftlinie) auch noch vergaß … doch mein übliches Lächeln verging mir endgültig, als ich die Lieferung erhielt.
6 Tage nach dem anfänglich vereinbarten Termin und zwei volle Tage nach dem glasklar versprochenen. Unter freiem Himmel abgestellt. Hunderte von Büchern in kleinen Kartons ohne sonderlichen Nässe-, Schnitt- und Kantenschutz auf einer einzigen Palette. Übergeben von einem LKW-Fahrer, der mir auf freundliche Nachfrage dennoch nur 3 Kisten hinter die Haustür trug. 3 von 30 …
Also schleppte ich mit bangem Blick zum wolkenverhangenen Himmel 27 Kisten, während ich in dieser Stunde längst in 6 verschiedenen Städten ausgeliefert haben wollte.
Nein, es hilft wohl nicht, als Kunde nur freundlich zu bleiben …

Sie möchten mehr über mich erfahren?

An meinen Erlebnissen, meinem Umfeld teilhaben? Und an dem, was mir sonst noch am Herzen liegt? Dann sind Sie hier richtig.

Sie können das Blog auch abonnieren.

Join 5 other followers

Kalender

Januar 2012
M D M D F S S
« Dez   Apr »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.