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(Teil 10, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Sprich endlich mit mir, MM!“ Anika sieht ihn prüfend an. „Was ist aus deinen Träumen, was ist aus dem sich hoffnungsvoll ausbreitenden Yannik honey fungus geworden?“ Sie greift in ihre Tasche und zieht einen Stapel Papiere heraus.
„Rekapitulieren wir mal. Zuerst war doch dein Manuskript zu speziell geraten. Deshalb hast du alles für eine umfangreichere Leserschaft umgeschrieben. Damit war es aber zu fade geworden und reif für den Plan B.“
„Hast du gemeint!“ Er funkelt sie an. „Ich fand es universeller.“
„Hmm“, sie schmunzelt zurück, „wie auch immer. Jedenfalls war es höchste Zeit für einige Aufreger in deinem Leben.“
„Die ich ja in Netzwerken und Ratgebern gefunden habe“, er winkt ab. „Und ich habe auch ohne eigenen Glamour und Exzesse genügend Schlüpfrigkeit und Doppeldeutigkeit in mein Werk eingebaut.“
„Meinst du wirklich“, sie wedelt mit den Papieren, „dass das für die richtigen Leute gereicht hat? Hast du schon vergessen, wie du von den anderen über den Tisch gezogen werden solltest?“
„Das hab ich genauso wenig wie deine Hilfe in Bezug auf das Auftreten gegenüber Verlagen und Agenturen. Ich hatte ja dadurch das Exposé angepasst und so den Interessenten gefunden.“
„Stimmt“, sie legt die Papiere ordentlich ab und beugt sich grinsend vor, „das hatte mit dem Lektor und Plan B geklappt . Aber …“, sie lässt das Grinsen entweichen und schaut ihn wieder durchdringend an, „seitdem ist doch so viel Zeit vergangen, dass ich dein Buch schon längst hätte entdecken müssen.“
„Es ist vergriffen.“
„Wahnsinn! Und wieso bist du dann so miesepetrig drauf, gerade so, als ob man dich retten müsste?“
„Vielleicht, weil ich durch das Schreiben und Vermarkten verletzlicher geworden bin und erst in der vorigen Woche wieder beunruhigende Sachen gelesen habe?“
„Was hat dich denn erschüttert?“
„Dass man trotz aller Liebe zum Bücherschreiben und der Treue zu sich selbst ganz schön wandelbar sein muss. Erst dünnhäutig, dann mit einem Schildkrötenpanzer, wie die gestandene Autorin Carmen Winter meint.“
„Wenn es dem Erfolg dient, warum nicht.“
„Na ja, Erfolg ist relativ. Ich kann mich nicht ständig verbiegen, nur weil es die Vertriebler verlangen. Eher halte ich es mit Hans Pleschinski, der sich trotzig vom Markt abkoppelt und gewollt unverdaulich ist.“
„Meinetwegen sei auch das, Hauptsache, du verkaufst dich.“ Sie lacht schallend – und merkt erst ziemlich spät, dass er nicht einstimmt.
(Teil 9, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Wie hast du das geschafft, wie den Verlag für dich interessieren können, MM?“, fragt Anika bewundernd und ordnet den Stapel Papiere.
„Müller-Meier ist out.” Er tippt auf das Deckblatt, fährt pathetisch mit dem Finger über die Autorenangaben. „Du sprichst jetzt mit Yannik honey fungus, der sich in der Verlagsbranche ausbreiten wird wie ein Pilz im Wald, voll mit Sporen, getragen vom Wind, umspielt vom Regen.“
„Bist du unter die Biologen gegangen?“
„Quatsch. Aber die Lektorin des Verlages möchte“, er zieht eine Seite mit Anmerkungen hervor, „dass ich zum Beispiel bildhafter schreibe. Also übe ich das.“
„Was will sie noch?“
„Dass ich meine Handlungsstränge mehr ausrichte und“, er seufzt, „einige Passagen komplett umschreibe.“
„Sie hat sich in der kurzen Zeit dermaßen eingelesen?“ Anikas Verblüffung wird fühlbar. „Dann musst du mit deiner Idee ja zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein, offene Türen eingerannt haben.“
„Ja“, er lacht auf, „die Tür zu ihrem Büro war offen gewesen, als ich im Verlag vorbeischaute.“
„Und sie hat sich gleich um dich gekümmert?“ Misstrauisch schürzt Anika die Lippen. „Ihre Regale waren nicht voll mit Projektordnern, die Tische quollen nicht über, das Telefon klingelte nicht ununterbrochen, der Monitor war nicht beklebt mit Erinnerungszetteln?“
„Doch, aber der Praktikant, den ich kurz vorher auf der Messe getroffen und gesprochen hatte, lotste mich an allem vorbei.“
„Der Praktikant?!“
„Ja, ihr Sohn und ein ehemaliger Schulkamerad von mir“, er lacht schallend. „So viel zu Plan B, meinem Vitamin B, meiner förderlichen Beziehung.“
„Klasse!“ Sie lächelt und beugt sich wieder über die Papiere. „Kenne ich den Verlag?“
„Äh, es ist nur ein kleiner. Aber“, setzt er schnell hinzu, „deswegen nicht weniger erfolgreich. Mit einem Dutzend vertretener Autoren und oft in der Presse zu finden.“
„Und wo ist der Haken?“
„Sei doch nicht so negativ“, zieht er sie auf. „Das hast du jedenfalls früher zu mir gesagt.“
„Schon, aber das hier“, sie deutet auf das Blatt mit den grünen Anmerkungen, „ist fast zu schön, um wahr zu sein. Bis wann musst du denn die Änderungen eingearbeitet haben?“
„Innerhalb dieses Vierteljahres.“
„Ha, erst dann wird darüber entschieden?“ Sie winkt ab. „Vielleicht wollte dich die Lektorin nur abwimmeln oder hinhalten. Vielleicht kommt das böse Erwachen, die Absage vom Verleger wegen der mangelnden Verkaufschancen oder eines schon besetzten Programmplatzes eben etwas später.“
„Von wegen!“ Er ist wirklich empört. „Das hat mit dem Zeitplan zu tun. Für Lektorat und Grafik, Layout und Umschlaggestaltung, für Satz, Druck, das Binden und die Buhlphase.“
„Was soll denn das sein?“
„Die Zeit zum Wecken der Aufmerksamkeit von Vertretern, Buchhändlern und Presse, die Phase der Ankündigungen und Vorabdrucke bis zum Veröffentlichungstermin im nächsten Frühjahrsprogramm.“
„Steht das so im Vertrag?“
„Nein, das hat mir der Verleger beim Kaffee erklärt. Denn auch er traut mir zu, das Manuskript an die Vorgaben fristgerecht anzupassen. Offensichtlich im Gegensatz zu dir.“
„MM, ich will doch nur“, schmeichelt sie, „dass du nicht schon wieder enttäuscht wirst, dass du in der Vorfreude über die erste Verlagszusage dennoch das Kleingedruckte beachtest.“
„Mach ich doch!“ Er lehnt sich zurück und fängt an zu überlegen, wie er die nörgelnde Anika loswerden könnte.
Doch sie scheint bleiben und sich versöhnen zu wollen. „Also, ein Gespräch mit dem Verleger höchstpersönlich ist wirklich erfolgversprechend, ehrlich. Was hast du denn mit ihm noch ausgehandelt?“
„Ob ich Lesungen halten will und weitere Buchideen hätte. Ob ich an einer längerfristigen Zusammenarbeit interessiert sei und deswegen …“ Er zögert. Soll er ihr von den überraschenden Konditionen überhaupt erzählen?
(Teil 8, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Toll, dass es dich auch noch gibt!“ Er bemüht sich um einen finsteren Blick und tastet nach dem großen Umschlag auf dem Tisch. „Wolltest du mir nicht schon vor zwei Wochen beim Exposé helfen?“
„Ja“, Anika grinst nicht sonderlich reumütig, „aber ich hatte dringende Angelegenheiten.“
„Und wenn nun in der Zwischenzeit“, er versucht wenigstens, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, „ein anderes Manuskript angenommen, mir der Programmplatz weggeschnappt worden wäre?“
„Unwahrscheinlich.“ Sie schüttelt überzeugt den Kopf. „Oder würdest du dich als überlasteter Lektor ausgerechnet jetzt auf ein unverlangt eingereichtes Manuskript stürzen?“
„Warum nicht?“
„Schließlich stecken alle noch in den Nachwehen der Buchmesse und erfahrungsgemäß werden dabei Neulinge genauso gern bearbeitet wie kurz vor den Messen und Vertreterkonferenzen.“
„Ha“, triumphierend hebt er den Umschlag hoch, „aber ich hab mich darum nicht geschert und es trotzdem getan.“
„Alles schon eingereicht?“ Sie reißt die Augen auf. „Ohne zu …?“
„Genau. Und auf den Verlag zugeschnitten.“ Er nickt stolz. „Wie bei einer Job-Bewerbung. Selbst das Anschreiben war ganz individuell und sollte ködern.“
„Das will ich sehen.“ Sie streckt die Hand nach dem Umschlag aus. „Du hattest dir inzwischen wirklich überlegt, in welchem Genre dein Buch anzusiedeln wäre?“ Ihr Tonfall wird ansatzweise zickig. „Für welche Lesergruppe es interessant wäre?“
„Ja, liebe Anika, meine Zielgruppe konnte ich damit ermitteln.“ Er stöhnt verhalten und zieht die Papiere aus ihrer Reichweite. „Du kannst mir glauben, auch einen brauchbaren Arbeitstitel habe ich allein gefunden. Und sogar rausgefunden, warum ich eigentlich meine Lieblingsbücher auflisten sollte.“
„Ach, nee.“
„Hattest mir ja genug Zeit gelassen“, er schwenkt den Umschlag, „auf diese Weise meinen bevorzugten Verlag zu entdecken und die offensichtlich von mir geliebten Kategorien. Von dem Punkt aus war es mit den Schreibratgebern auch relativ einfach, mein Manuskript in die geeignete Reihe einzuordnen und im Exposé ein Format vorzuschlagen.“
„Mach es nicht so spannend!“ Sie schnappt nach den Papieren – vergeblich.
„Entspann dich. Was willst du wissen? Ob ich an daran gedacht habe, außer dem Manuskriptumfang auch Ort und Zeit der Handlung anzugeben?“ Ihm macht es Spaß, sie zappeln zu lassen. „Hatte ich doch schon das letzte Mal getan. Und diesmal führte ich sogar die Perspektive des Erzählers an, wie auch einen gekürzten Überblick über den Inhalt.“ Er betont die folgenden Worte, als gäbe er ein Staatsgeheimnis preis. „In Form eines Klappentextes.“
Doch sie macht ihm nicht die Freude, vor Ehrfurcht zu erstarren. „Und wie ist es mit dem Überblick über die Hauptfiguren? Wie entwickeln sich deine Personen während der Erzählung?“
„Rasant und überraschend.“ Er grinst. „Ist alles erledigt. Auch meine Szenenübersicht habe ich verbessert, jetzt die spannendsten Stellen angeführt.“
Sie gibt auf, lässt den noch immer ausgestreckten Arm sinken. „Ich nehme an, dass du die Leseprobe ebenfalls beigelegt hast?“
„Das erste Kapitel, wie von dem Verlag gewünscht. Direkt im Anschluss an meine aufgehübschte Vita“, lacht er.
„Ach, hast du doch ein kriminell gutes Beispiel, ein Idol, einen Promi in deiner Ahnenreihe gefunden?“
„Nein, aber ich konnte belegen, warum ich mich in meinen Helden hinein versetzen und mit ihm fühlen kann, dass regionales Insiderwissen nicht zu unterschätzen ist … und damit kann ja wohl jeder Witz von einer Veröffentlichungsliste wettgemacht werden, nicht?“
„Ich weiß nicht“, sie zuckt mit den Schultern. „Dein Enthusiasmus in allen Ehren, aber ob die Assistenten und Sekretärinnen, das Lektorat und die Programmleitung, der Verleger und seine Vertriebsleitung das genauso sehen …“
„Hast recht“, er überreicht ihr endlich den Umschlag, „deshalb hab ich mich ja auch nicht mehr an einen Giganten, sondern einen Regionalverlag gewandt. Du weißt, kleinere Brötchen und so …“
Sie zieht die Papiere hervor, fängt an zu lesen und murmelt verblüfft: „Aber das ist ja …“
(Teil 7, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Grüß dich!“ Anika stürmt wie neulich die Wohnung, wirft einen Blick in die Küche, entscheidet sich im nächsten Moment für das Wohnzimmer, peilt das Sofa an und greift im Vorbeigehen nach dem auf dem Tisch liegenden Manuskript. „Zeig mir deine Standardseiten.“
Noch bevor sie Platz nimmt, begutachtet sie die Aufzeichnungen mit hochgezogenen Augenbrauen. „Der Kopfbereich mit Autor, Titel, Seitenzahl und Kontaktangaben ist anständig. Dazu der Text einseitig bedruckt auf losen Seiten mit einem vernünftigen Zeilenabstand für die Lesbarkeit und ein ordentlich breiter Rand für Bemerkungen und Korrekturen … fein gemacht. Kein Blocksatz, keine Silbentrennung, keine unnötigen Formatierungen … du hast alles beachtet.“ Sie beginnt, die Buchstaben und Leerräume zu zählen. „Hmm … 30 Zeilen mit jeweils 60 Zeichen … entspricht den für die Kalkulation des Buchumfangs notwendigen 1800 Zeichen. Du würdest in dieser Hinsicht schon mal professionell auftreten. Gut.“
„Nur gut? Weißt du überhaupt, was das für ein Stress war?“ Er setzt sich neben sie und tippt auf die unteren Seitenränder bei den Blättern. „Entweder hatte ich hier die gewünschten Zeilen oder nicht. Mal mehr, mal weniger. Wie ein Glücksspiel. Bis ich rausfand, dass ich bei MS Word die voreingestellte Absatzkontrolle rausnehmen musste.“
„Hast es doch geschafft“, kichert sie, „jetzt musst du nur noch die an eine Schreibmaschine erinnernde Schrift loswerden. Es gibt schönere.“
„Und die kann ich nehmen, wenn wie bei deinem Geschichtenwettbewerb nur die Zeichenanzahl vorgegeben ist. Wenn ich aber konsequent meine 60 Zeichen pro Zeile haben will, brauche ich diese hässliche Festbreitenschrift.“
„Huch, da hat sich einer ganz ernsthaft damit beschäftigt.“
„Natürlich! Deswegen bin ich ja so sauer, dass mein Manuskript nicht angenommen wurde! Was soll ich denn noch machen?“
„Das habe ich dir gesagt …“
„Hah! Ich kann mich aber nicht als Promi aufspielen oder als Enthüllungsspezialist verkaufen. Und ich möchte auch nicht noch mehr Gleichgesinnte und Testleser suchen, meine Zeit nur noch in Quatschrunden verbringen. Will auch nichts mehr an meiner Geschichte ändern. Am jämmerlichen Stil, einer grauenvollen Rechtschreibung oder fehlenden Grammatikkenntnissen kann es bei mir ebenfalls nicht liegen.“
„Willkommen im Club der unverstandenen Autoren.“
„Lache nicht! Beantworte mir lieber endlich die Frage, warum du mir eigentlich hilfst.“
„Ich glaube schon jetzt an dich“, sie beugt sich herüber, senkt die Stimme und haucht übertrieben, „und will, wenn sich der Erfolg endlich einstellt, an deiner Seite sein und davon profitieren.“
„Äh“, er lehnt sich zurück, um die vorherige Distanz wieder herzustellen, „ehrlich bist du, das muss ich dir lassen.“
„Klar“, sie wedelt ihre überraschend zur Schau gestellte Sinnlichkeit genauso flink wieder weg, „und deshalb unterstütze ich dich auch bei deiner Visitenkarte, deinem ersten und einzigen und meist nicht zu korrigierenden Eindruck bei Agent und oder Lektor.“
„Du redest vom Exposé?“
„Und von der Absage der Agentur“, sie seufzt. „Einmal ist zwar keinmal, aber ich habe in der letzten Woche lange darüber nachgedacht … und man muss damit rechnen, dass du noch einige Zeit unappetitlich für seriöse Agenturen bleiben wirst. Stell dir doch mal vor, du wärest ein Agent, der ziemliche Kosten erwirtschaften muss und seine in jahrelanger Arbeit aufgebauten Kontakte zu den Verlagslektoren sinnvoll nutzen will. Darüber hinaus seine meist 15%ige Provision erst bei erfolgreicher Vermittlung bekommt.“ Sie hebt das Manuskript hoch. „Hand aufs Herz. Würdest du dafür bundesweit mit vier-, fünfstelligen Verkaufszahlen rechnen?“
„Äh … die Handlung ist ja gebietsmäßig begrenzt und daher …“
„Eben. Du musst also die Anforderungen der Giganten mit deinem Angebot vergleichen, auch beachten, dass du kein VIP sondern Neuling bist. Soll heißen, du musst zurzeit noch kleinere Brötchen backen, dich selbst an Regionalverlage wenden, die begeistern und dazu anregen, dich kennen lernen und nachfragen zu wollen.“
„Hab ich versucht“, er zieht aus dem Stapel seiner Unterlagen das Exposé hervor, das er vor Monaten erst an die Großen der Branche und später an die kleineren, unabhängigen Häuser geschickt hatte, „und zwar alles nur an die Verlage mit dem passenden Programm verfrachtet.“ Er reicht ihr auch die abgehakte Verlagsliste und beobachtet, wie sie beim Lesen des Exposés ihre Stirn runzelt. „Was ist?“
„Oh“, sie schüttelt den Kopf, „hier ist mancherlei zu ändern. Und fang damit an, dass du besser recherchierst. Alle für dein Thema relevanten Verlage mit ihrem Profil verzeichnest und zudem deine Lieblingsbücher heraussuchst.“
„Warum denn das?“
„Sag ich dir“, sie legt die Papiere ab und schaut auf ihre Uhr, „nächste Woche. Muss jetzt leider weg.“
(Teil 6, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
Es klingelt. Müller-Meier seufzt ergeben und legt den Vertragsentwurf, in dem er die letzte Stunde angespannt gelesen hatte, beiseite. Jetzt klingelt es Sturm. „Ich komme ja!“ Er eilt zur Tür und öffnet sie. „Ach, du.“
„Wir waren verabredet, MM!“, grinst Anika. „Ich hab auch was mitgebracht.“ Sie drängt sich an ihm vorbei und hält einen Beutel mit Körnerbrötchen hoch. „Eine kleine Stärkung.“
„Hab keinen Appetit.“
„Nicht?“ Anika hat schon die Küche erobert und öffnet die Hängeschränke einen nach dem anderen. „Na ja, wir wollten ja auch dich appetitlich machen für den Buchmarkt. Und du warst doch schon auf dem richtigen Weg mit den von dir besorgten Schreibratgebern.“
„Mit denen bin ich durch.“ Er setzt sich wieder an den Tisch und schiebt unauffällig die Unterlagen zusammen.
„Mit dem Schreibkurs auch?“ Jetzt hat sie das Kaffeepulver gefunden, befüllt die Maschine. Ohne zu fragen, ob er überhaupt trinken möchte.
„Natürlich.“ Er reckt das Kinn in Erwartung ihres Widerspruchs und greift demonstrativ zur Bierflasche.
„Ach, ja?“ Sie schaut misstrauisch über die Schulter, während sie sich mit der Kanne zum Wasserhahn begibt. „Das muss dann aber ein Kurzworkshop gewesen sein.“
„Für mich. Weil die nur allgemeine Aufgaben aufgegeben hatten, nicht auf meine speziellen Wünsche eingegangen sind.“
„Tja, wer eine individuelle Betreuung für sein Thema, Recherche und Struktur wünscht, muss logischerweise tiefer in die Tasche greifen.“ Sie nimmt ihm nachsichtig lächelnd die noch nicht geöffnete Flasche aus der Hand. „Kaffee oder Tee?“
„Wenn schon Tee, dann“, er gibt scheinbar nach, „Jagatee.“
Sie stutzt, bereitet aber beide Getränke vor und führt das Autoren-Gespräch nahtlos weiter. „Also solltest du dir einen Lektor aus den Datenbanken suchen oder eine Lektorin aus dem Texttreff-Netzwerk beauftragen. Apropos Netzwerk, hast du es damit versucht?“
„Aber sicher doch.“ Er sieht zu, wie sie den Kühlschrank plündert, den Tisch deckt. „Hab mich auch bei Plattformen und Gruppen angemeldet und Leute abgewehrt. Abstauber, die kostenfrei Infos abgreifen wollten und diverse Wichtigtuer, die nur an meinem Stil nörgelten und Kundenfänger, die mich ködern wollten für Ratgeber, Druckaufträge, Dienstleistungen und so was.“
„Wenigstens arbeitest du damit an deinem Bekanntheitsgrad“, lacht sie, winkt ab und setzt sich zu ihm. „Kleiner Scherz. Konzentriere dich auf deine Zielgruppe, richtige Autoren und Agenten. Wie weit ist es damit?“
„In Arbeit. Ich war bei Lesungen und fahre auch wegen des Erfahrungsaustausches zur Leipziger Buchmesse.“
„Hmm“, schmunzelt sie, „schon als Yannik honey fungus?“
„Vielleicht …“
„Aha, also hast du dein Manuskript …“, sie schaut gezielt zu den Unterlagen, die er offensichtlich nicht gut genug versteckt hatte, „… zwischenzeitlich an eine Agentur geschickt. Welche Reaktion?“
„Mein Exposé hat nicht überzeugt“, er nippt am Tee. „Der Agent sah daher keine Möglichkeit, mich an einen Publikumsverlag zu vermitteln, meinte aber, dass es auch Geschmackssache sei und ich weiter suchen solle.“
„Hast du?“ Sie mustert ihn aufmerksam.
„Ja, ich schickte alles an zwei weitere Literaturagenturen. Die erste fand die Leseprobe ansprechend, forderte noch am gleichen Tag 50 Normseiten an, um Stil und sprachliche Fähigkeiten besser einschätzen zu können.“
„So schnell? Klasse! Bei Verlagen wartet man monatelang auf eine Antwort.“
„Ja, und für die Reaktion auf meine äh … 50 Seiten musste ich auch nur eine Woche warten.“
„Warum hast du gezögert?“
„Ich wollte mich bei denen nicht als Dussel outen und nachfragen, ob die mit ihrer Normseite etwas anderes meinen als ich mir unter einer Standardseite vorstelle.“
„Die Angaben gebe ich dir beim nächsten Treffen“, legt sie kategorisch fest und tätschelt sogar seinen Arm. „Was haben die zur Geschichte gesagt?“
„Sie wäre nicht schlecht“, er verdreht die Augen, „aber ohne große Chancen für eine erfolgreiche Vermittlung an einen Traditionsverlag … deshalb boten sie mir eine Publikation in dem mit ihnen kooperierenden Serviceverlag an.“
„Du hast doch wohl nicht“, blitzschnell beugt sie sich vor und entzieht ihm den Vertragsentwurf, „unterschrieben? Das ist schließlich nur eine kreative Umschreibung für die Druckkostenzuschussverlage.“
„Reg dich ab.“ Er holt sich die Papiere zurück. „Das hier ist von der dritten Agentur, die mich sehr gern vertreten würde.“
Sie strahlt. „Du hast es geschafft!“
„Na ja“, er zieht die dritte Seite aus dem Stapel und zeigt sie ihr. „Sie tun es gegen Zahlung eines saftigen Vorschusses.“
„Oh nein!“ Sie schlägt so mit der Hand auf den Tisch, dass ihr Kaffee aus der Tasse schwappt. „MM, du bist offenbar noch nicht verlockend genug für die richtigen Leute. Lass uns daran arbeiten. Zuerst an einem begehrenswerten Exposé und den geforderten Normseiten und danach suchen wir eine seriöse Agentur, die ganz benommen von dem neu entdeckten Yannik honey fungus sein wird.“
„Sehr gern … aber“, er schaut sie über den Rand seiner Teetasse an, „warum hilfst du mir eigentlich? Was hast du denn davon?“
(Teil 5, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Komm rein, Anika.“ Müller-Meier hilft der jungen Frau aus dem Mantel. „Wie war der Urlaub?“
„Vorzüglich“, lächelt sie und steuert das Wohnzimmer an. „Und wie war’s bei dir? Konntest du dich für die Buchbranche attraktiver machen, hast dich an eine Preisverleihung erinnert, über Weihnachten eine aufregende Verwandtschaft gefunden?“
„Nichts von all dem. Keine Auszeichnungen, kein Wunderkind. Auch keine Straftaten, keine schockierenden Operationen, nicht mal Seitensprünge. Ganz zu schweigen von lebensgefährlichen Situationen. Aber ich habe über ein Pseudonym nachgedacht. Wie wäre es mit Yannik honey fungus?“
„Ach herrje. Aber mit dem Manuskript warst du erfolgreicher?“
„Sicher doch.“
„Hast du auch meine anderen Tipps beachtet?“ Sie schaut ihn zweifelnd an.
„Natürlich. Ich habe mir Ratgeber besorgt und …“
„Welche?“
„Aufzucht und Pflege eines Romans von Sol Stein und Wort für Wort von Elizabeth George.“
„Gute Wahl“, Anika nickt zufrieden. „Was ist mit dem Schreibkurs?“
„Äh, also eigentlich weiß ich jetzt genug. Ich habe alles wieder auf die Region abgestimmt, die schwammigen Teile ausgemerzt und mehr schmutzige Details sowie Doppeldeutiges in Bezug auf den Nebenbuhler drin. Bin zufrieden mit meiner Geschichte.“
„Kann schon sein. Aber Übung macht den Meister und der Austausch mit Gleichgesinnten ist so schlecht nicht.“
„Die Leute habe ich ja gesucht. Aber in manchen Internetforen wird mir zu sehr gegiftet.“
„Dann bringst du dich eben woanders ein.“
Er winkt ab. „Hab schon bei vielen geschnuppert. Aber dort wird oft an Stellen gelobhudelt, wo ich eigentlich meckern würde.“
„Dann tu es doch! Aber sachlich und höflich. Erstens machst du damit auch dir deinen Standpunkt klarer, arbeitest so an deinem Stil und nebenbei an deinem Bekanntheitsgrad.“
„Und zweitens?“
„Es gibt nicht nur Foren, auch Online-Schreibgruppen, Fernkurse und …“
„Kostet alles viel Geld. Und ich weiß vorher nicht, ob sie mich fördern würden.“
„… und es gibt auch“, sie wirft ihm einen strafenden Blick zu, „Schreibgruppen bei Volkshochschulen. Das wäre zwar nicht bequem vom Zuhause aus, dafür jedoch menschlich und preiswert.“
„Aber bringt es mich auch weiter?“
„Riskier es doch. Oder frag vorher ehemalige Teilnehmer.“
„Kenne keinen.“
„Dann frag Autoren, die es geschafft haben.“ Sie erstickt seinen Widerspruch mit erhobener Hand. „Sag jetzt bitte nicht, dass du dich nicht traust, sie nach den Lesungen und auf den Messen anzusprechen.“
„Die werden sich freuen. Noch ein Unbekannter, der sie löchern will.“
„Jetzt habe ich dich da, wo ich dich haben will“, grinst sie. „Denn wenn du schon keine spektakuläre Vita aufweisen kannst, musst du dich in der Branche bekannt machen, durch außergewöhnlichen Schreibstil und Kontaktfreudigkeit auffallen. Geh in Netzwerke, such dir Freundschaften bei Verlags- und Presseleuten, knüpfe förderliche Beziehungen. Vitamin B, du verstehst. “
„Aber damit habe ich noch lange nicht bewiesen, dass sich mindestens 2000 Leute für meine Liebesgeschichte interessieren.“
„Sei doch nicht so negativ. Nutze lieber dein Pseudonym, sieh deine Aktivitäten als Pilz, der sich ausbreitet und Kontakt A mit Freude infiziert. Der reicht seine Begeisterung weiter an B, der wiederum kennt C, welcher dich D empfiehlt und der…“
„Schon verstanden.“
„… und der reizt damit einen Agenten, lieber MM. Da setzen wir dann an, machen dich appetitlich.“
Und ich gelobe gleich mal, dass ich mich nicht mehr so tief in meine Roman-Schreiberei vergraben und darüber meine Blogleser vernachlässigen werde.
Noch in dieser Woche lasse ich die Freundin vom Autoren Müller-Meier aus dem Urlaub kommen und MM bei der Veröffentlichung seines Manuskriptes helfen, reiche sämtliche in der Notizbox wartenden Hundentwicklungsberichte nach … und schaffe es vielleicht sogar, weitere Schmunzler und Aufreger zu posten.
(Teil 4, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Jetzt klappen wir mal das Handbuch für Ahnungslose zu“, lacht die junge Frau, „und kümmern uns vorrangig um deine Vita, MM.“
„Wozu brauchst du mein Geburtsdatum, die Angaben zu Eltern und Schulen?“ Müller-Meier versteift sich.
„Ich?“, prustet sie. „Nein, die Literaturagenten, Lektoren, Verleger, Vertriebsleiter, Werbeleiter, Marketingchefs wollen etwas über deinen Werdegang erfahren. Besonders dann, wenn deine Eltern Serienmörder waren, du Amok in deiner Schule gelaufen oder wenigstens der jüngste Autor aller Zeiten bist, sie dich damit gut vermarkten können.“
„Und wenn ich nun nur eine behütete Kindheit hatte? Bloß ein guter Schüler war?“
„Könnte noch klappen, wenn du der verheimlichte Sohn eines Pfarrers, das uneheliche Kind eines Diplomaten, das schwarze Schaf einer adligen Familie wärst.“ Sie spitzt die Lippen. „Aber als artiges Kind einer Lehrerin, eines Buchhalters, einer Verkäuferin, eines Schlossers usw. wird das nichts. Es sei denn …“, sie pfeift eine Melodie, „… du hast dich danach zum heimlichen Partner eines Priesters gemausert und plauderst über die Beziehung. Oder du hättest eine Stelle im diplomatischen Dienst, ignorierst Geheimhaltungsvereinbarungen und findest Verfehlungen, über die du berichten kannst. Gut würden sich auch die Geheimnisse einer Herzogin von XY machen, sofern du als ihr Geliebter sie lüften mögest.“
„Ich bin jedoch ein treuer Ehemann und ein loyaler Angestellter im hiesigen Werk!“
„Warst du zumindest auf Montage, bei einer Filiale im Ausland? Wurdest du gekidnappt, konntest du eine Gräueltat beobachten, sie nicht verhindern? Irgendetwas, womit du dein braves Image aufhübschen kannst?“
„Seit wann verwendet man Gräuel und hübsch in einem Satz?!“
„Wenn man Müller-Meier heißt, werktags in eine normale Firma rennt und abends über verschmähte Liebe schreibt, sollte man anfangen, alternativ zu denken.“
„Hä?“
„MM, machen wir uns nichts vor, du bist ein grauer Mäuserich. Brauchst Farbe, um aus dem Heer der Nagetiere hervorzustechen.“
„Soll ich mich jetzt also in ein Kriegsgebiet versetzen lassen, mit Prominenten zu turteln versuchen, eine Bank ausrauben?“
„Oder über Tabuthemen, eklige, anrüchige, schlüpfrige Sachen schreiben. Sex sells, MM!“
„Das habe ich getan! Mein Nebenbuhler wird doch …“
„Das reicht aber noch nicht für die Verkaufserwartungen eines Marketingchefs.“ Sie breitet genervt die Arme aus. „Hör zu! Zuerst nimmst du sämtliche Verschlimmbesserungen, über die wir vorige Woche gesprochen haben, wieder aus deiner Geschichte und schleifst sie so, dass sie die Agenten- und Lektorenhürde nehmen kann.“
„Wie denn?“
„Lies Ratgeber, beleg einen Kurs, sprich mit gestandenen Autoren.“ Sie weist auf das Manuskript im Regal. „Und schreib, schreib, schreib. Denn schreiben heißt umschreiben!“
„Aber …“
Sie beachtet ihn nicht. „Parallel dazu hübscht du deine Vita auf, keine Widerrede! Krame nach jeder Ehrung, die du für deine Schreiberei schon erhalten hast, lade dir über Weihnachten jede Tante ein, die dir Aufregendes bescheren könnte, mache dich attraktiver, anziehender, außergewöhnlich!“
„Dann wird das mit den Verlagen klappen?“
„Na ja“, sie lächelt verführerisch, „wenn du zudem noch beweist, dass sich für deine Geschichte nicht nur 20 Familienmitglieder interessieren werden, sondern mindestens 2000 Leute!“
„Und wie mache ich das?!“
„Das erzähle ich dir nach meinem Urlaub.“ Sie steht auf. „Bis dahin hast du jedenfalls erst mal genug Futter.“
(Teil 3, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Hmm“, die junge Frau lehnt sich zurück und legt das eben gelesene Manuskript auf den Tisch. „Nicht schlecht.“
„Hmm“, Autor Müller-Meier runzelt seine Stirn. „Das klingt nicht sehr ermutigend.“
„Doch“, beteuert sie. „Die Idee, die Handlung, die Figuren sind … wirklich nicht schlecht.“
„Schluss mit Höflichkeit und Rücksichtnahme auf meine Gefühle. Raus mit der Wahrheit, ich kann sie vertragen.“
„Na ja.“ Sie windet sich erkennbar. „Man erkennt wiederum nach ein paar Seiten, wo du mit deiner Geschichte hinwillst. Was in Park und Apotheke passieren und dass es den Nebenbuhler erwischen wird.“
„Habe ich immer noch zu viele Hinweise drin? Sind die überraschenden Wendungen echt nicht überraschend genug?“
„Nicht für jeden. Aber das Vorhersehbare kann ja auch reizen. Deshalb wäre es nicht so tragisch.“ Sie atmet tief durch und greift wieder nach den Papieren. „Doch diese neue Überarbeitung ist … na ja … eine Verschlimmbesserung. Ich fand es in der vorherigen Version großartig, dass ich alle Straßen, Ecken, Gebäude wiedererkannt habe, in den von dir beschriebenen Kneipen selbst schon gefeiert, in den Grünanlagen geknutscht habe. Doch jetzt“, sie blättert in seiner mühsam mit Touristenattraktionen und Gangsterpassagen angereicherten Geschichte, „wirkt es irgendwie unausgegoren.“
„Immerhin ist es nicht mehr zu speziell regional.“
„Dafür fade und unbedacht. Leidenschaft und Grausen an beliebig austauschbaren Orten.“
„So wollen es die Verlage aber haben!“, verteidigt sich Müller-Meier mit lauter werdender Stimme.
„Glaube ich nicht.“ Sie klappt das Manuskript zu, schiebt es beiseite. „Du brauchst einen Plan B.“
Er zieht die Blätter auf seine Seite des Tisches. „Das war er.“
„Ich meine B wie förderliche Beziehungen.“
„Bist du nicht eine davon? Meine Profi-Testleserin?“
Sie lacht. „Ich hatte doch damals nur einen Kurzgeschichtenwettbewerb der Regionalzeitung gewonnen! Kann dir zwar meine unverblümte Meinung zum Geschriebenen geben und dir damit zu einer annehmbaren Erzählung verhelfen. Aber du brauchst noch stärkere Geschütze, um bei den Verlagen und den Tausenden dort unverlangt eingereichten Manuskripten wahrgenommen zu werden.“
„Die da wären?“
Sie grinst verschwörerisch und fängt an, ihn einzuweihen.
(Teil 2, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Neue Woche, neues Glück und dazu Plan B“, muntert Müller-Meier sich auf, startet den PC und öffnet das Dokument mit seiner Geschichte. „Wenn ihr Gewalt und Herzschmerz in meiner Heimatstadt nicht wollt, verlege ich das eben in eine Metropole!“
Er deutet eine Verbeugung vor dem Stapel mit den Verlagsabsagen an. „Wäre euch eine Landeshauptstadt groß genug? Oder muss es der Regierungssitz sein? Soll ich noch unspezielle, überregionale Drogendeals mit einbauen, rasante Verfolgungsjagden, Türsteherprobleme und den globalen Mädchenhandel?“
Grummelnd dreht er sich zum Bildschirm zurück und beobachtet, wie sein unermüdlich verfeinertes Eifersuchtsdrama erscheint, das ihm mit heimlichen Stelldicheins in seinen geliebten Szenekneipen und den bekannten, traulichen Stadtparknischen, dem Apothekeneinbruch und einem fiesen Schlafmittelgemisch nicht zu begrenzt vorgekommen war.
„Ich kann meine Grabenkämpfe natürlich auch in einer von Touristen heimgesuchten Region stattfinden lassen. Bin doch kritikfähig, flexibel, kann auf Verlagswünsche mühelos eingehen. Lasse ich den Nebenbuhler eben nicht aus dem Hochhausfenster stürzen, sondern in einem Wasserfall ertrinken! Ich verzichte doch gern auf meine Ortskenntnisse, verlasse mich dafür auf fremde Stadtpläne und Werbeflyer, Internet und Co, zehre von Schulklassenbesuchserinnerungen!“
Er vertieft sich in seine Erzählung und sucht nach Möglichkeiten, seine Mittelklasse-Gegner in Arenen zu versetzen, aus dem Neubaugebiet eine Trabantenstadt zu machen, die Mafia einzubinden … es tut so weh.
„Passt nicht, wackelt nicht und hat noch zuviel Luft“, gibt Müller-Meier nach Stunden seufzend auf – und wendet sich nun dem anderen Extrem zu.
Den Bergen, Höhlen, Bächen, Schluchten, Wanderwegen und dem Wellness-Bereich für die Touristen, wo man doch auch stehlen und morden könnte …
Wird es was bringen? Bekommt er damit endlich den Fuß in eine der Verlagstüren?

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