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(Teil 6, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)

Es klingelt. Müller-Meier seufzt ergeben und legt den Vertragsentwurf, in dem er die letzte Stunde angespannt gelesen hatte, beiseite. Jetzt klingelt es Sturm. „Ich komme ja!“ Er eilt zur Tür und öffnet sie. „Ach, du.“

„Wir waren verabredet, MM!“, grinst Anika. „Ich hab auch was mitgebracht.“ Sie drängt sich an ihm vorbei und hält einen Beutel mit Körnerbrötchen hoch. „Eine kleine Stärkung.“

„Hab keinen Appetit.“

„Nicht?“ Anika hat schon die Küche erobert und öffnet die Hängeschränke einen nach dem anderen. „Na ja, wir wollten ja auch dich appetitlich machen für den Buchmarkt. Und du warst doch schon auf dem richtigen Weg mit den von dir besorgten Schreibratgebern.“

„Mit denen bin ich durch.“ Er setzt sich wieder an den Tisch und schiebt unauffällig die Unterlagen zusammen.

„Mit dem Schreibkurs auch?“ Jetzt hat sie das Kaffeepulver gefunden, befüllt die Maschine. Ohne zu fragen, ob er überhaupt trinken möchte.

„Natürlich.“ Er reckt das Kinn in Erwartung ihres Widerspruchs und greift demonstrativ zur Bierflasche.

„Ach, ja?“ Sie schaut misstrauisch über die Schulter, während sie sich mit der Kanne zum Wasserhahn begibt. „Das muss dann aber ein Kurzworkshop gewesen sein.“

„Für mich. Weil die nur allgemeine Aufgaben aufgegeben hatten, nicht auf meine speziellen Wünsche eingegangen sind.“

„Tja, wer eine individuelle Betreuung für sein Thema, Recherche und Struktur wünscht, muss logischerweise tiefer in die Tasche greifen.“ Sie nimmt ihm nachsichtig lächelnd die noch nicht geöffnete Flasche aus der Hand. „Kaffee oder Tee?“

„Wenn schon Tee, dann“, er gibt scheinbar nach, „Jagatee.“

Sie stutzt, bereitet aber beide Getränke vor und führt das Autoren-Gespräch nahtlos weiter. „Also solltest du dir einen Lektor aus den Datenbanken suchen oder eine Lektorin aus dem Texttreff-Netzwerk beauftragen. Apropos Netzwerk, hast du es damit versucht?“

„Aber sicher doch.“ Er sieht zu, wie sie den Kühlschrank plündert, den Tisch deckt. „Hab mich auch bei Plattformen und Gruppen angemeldet und Leute abgewehrt. Abstauber, die kostenfrei Infos abgreifen wollten und diverse Wichtigtuer, die nur an meinem Stil nörgelten und Kundenfänger, die mich ködern wollten für Ratgeber, Druckaufträge, Dienstleistungen und so was.“

„Wenigstens arbeitest du damit an deinem Bekanntheitsgrad“, lacht sie, winkt ab und setzt sich zu ihm. „Kleiner Scherz. Konzentriere dich auf deine Zielgruppe, richtige Autoren und Agenten. Wie weit ist es damit?“

„In Arbeit. Ich war bei Lesungen und fahre auch wegen des Erfahrungsaustausches zur Leipziger Buchmesse.“

„Hmm“, schmunzelt sie, „schon als Yannik honey fungus?“

„Vielleicht …“

„Aha, also hast du dein Manuskript …“, sie schaut gezielt zu den Unterlagen, die er offensichtlich nicht gut genug versteckt hatte, „… zwischenzeitlich an eine Agentur geschickt. Welche Reaktion?“

„Mein Exposé hat nicht überzeugt“, er nippt am Tee. „Der Agent sah daher keine Möglichkeit, mich an einen Publikumsverlag zu vermitteln, meinte aber, dass es auch Geschmackssache sei und ich weiter suchen solle.“

„Hast du?“ Sie mustert ihn aufmerksam.

„Ja, ich schickte alles an zwei weitere Literaturagenturen. Die erste fand die Leseprobe ansprechend, forderte noch am gleichen Tag 50 Normseiten an, um Stil und sprachliche Fähigkeiten besser einschätzen zu können.“

„So schnell? Klasse! Bei Verlagen wartet man monatelang auf eine Antwort.“

„Ja, und für die Reaktion auf meine äh … 50 Seiten musste ich auch nur eine Woche warten.“

„Warum hast du gezögert?“

„Ich wollte mich bei denen nicht als Dussel outen und nachfragen, ob die mit ihrer Normseite etwas anderes meinen als ich mir unter einer Standardseite vorstelle.“

„Die Angaben gebe ich dir beim nächsten Treffen“, legt sie kategorisch fest und tätschelt sogar seinen Arm. „Was haben die zur Geschichte gesagt?“

„Sie wäre nicht schlecht“, er verdreht die Augen, „aber ohne große Chancen für eine erfolgreiche Vermittlung an einen Traditionsverlag … deshalb boten sie mir eine Publikation in dem mit ihnen kooperierenden Serviceverlag an.“

„Du hast doch wohl nicht“, blitzschnell beugt sie sich vor und entzieht ihm den Vertragsentwurf, „unterschrieben? Das ist schließlich nur eine kreative Umschreibung für die Druckkostenzuschussverlage.“

„Reg dich ab.“ Er holt sich die Papiere zurück. „Das hier ist von der dritten Agentur, die mich sehr gern vertreten würde.“

Sie strahlt. „Du hast es geschafft!“

„Na ja“, er zieht die dritte Seite aus dem Stapel und zeigt sie ihr. „Sie tun es gegen Zahlung eines saftigen Vorschusses.“

„Oh nein!“ Sie schlägt so mit der Hand auf den Tisch, dass ihr Kaffee aus der Tasse schwappt. „MM, du bist offenbar noch nicht verlockend genug für die richtigen Leute. Lass uns daran arbeiten. Zuerst an einem begehrenswerten Exposé und den geforderten Normseiten und danach suchen wir eine seriöse Agentur, die ganz benommen von dem neu entdeckten Yannik honey fungus sein wird.“

„Sehr gern … aber“, er schaut sie über den Rand seiner Teetasse an, „warum hilfst du mir eigentlich? Was hast du denn davon?“

Wenn Sie sich mit dieser Idee angefreundet haben, stöbern Sie doch auf Antholog in den unterhaltsamen Interviews und aufschlussreichen Erfahrungsberichten.

Und wenn Ihre Idee konkrete Formen angenommen hat, Sie sich als Freiberufler eine Existenz aufbauen, sich über alle Rechtsformen, Anlaufstellen und Vertragstypen, Geld-, Steuer- und Versicherungsfragen informieren wollen – empfehle ich Ihnen den neuen Rechtsratgeber für Existenzgründer von Eva Engelken.

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Übrigens habe ich in diesem Zusammenhang eine interessante Diskussion zum Aufreger der Buchmesse unter http://www.boersenblatt.net/344536/verfolgt und musste lächeln beim Kommentar 44 von Herrn Casimir (bezogen auf Kommentar 17):

„Es ist mir, zugegeben, etwas peinlich, dass erst ein Verleger eingreifen muss, um klar zu machen, was ein Journalist sagen wollte. Nun ja, geschrieben ist geschrieben.“

Aber noch besser gefällt mir der Kommentar 63 von Herrn Reul:
“… Als konkreten Vorschlag zur allseits erwünschten Aufrechterhaltung der Vielfalt an Büchern und Buchmenschen, empfehle ich meinen Buchhandels-Kollegen, jeden Tag ein Buch eines unabhängigen Verlags beim jeweiligen Zwischenbuchhändler zu bestellen. Der sieht dann, daß die Sachen gefragt werden und wird sie auch künftig in seiner Einkaufsliste behalten, und die Kunden bekommen eine Ahnung, was es alles Gutes gibt.“

Recht so!

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