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Ich gehe gern in Ruhe schwimmen – vor allem, wenn es im Erlebnisbad wirklich ruhig ist. Soll heißen, nicht an Feiertagen, nicht in den Schulferien, nicht an Aktionstagen. Heute wäre nicht so ein Tag – aber vorige Woche hatte ich ihn.
Dachte ich zumindest.
Ich ließ mich erst wie üblich in einem der Fit for Fun-Kurse ins Schwitzen bringen, trimmte mich anschließend an den Geräten im Fitnessstudio und schlurfte dann hinüber ins Erlebnisbad. Freute mich auf den heißen Whirlpool, das leere Außenbecken, ein freies Wellenbad, hoffte dazu auf verwaiste Rutschen.
Doch beim Näherkommen hörte ich einen Mann vergnügt rufen. Es war mehr ein Quietschen, wie es ein stolzer Vater mit seinem Baby beim Plantschen ausstößt. Gut, Väter mit Kindern stören mich nie und nimmer, doch leider … entdeckte ich nun noch, dass auch der Whirlpool belegt war. Randvoll mit lebensfrohen, übermütigen Menschen. Schaaade.
Absolvierte ich eben erst meine Runden im Außenbecken und nutzte die Rutschen, bis mir die Waden signalisierten, doch bitte endlich den Whirlpool anzusteuern.
Dass der Vater immer noch und methodisch wohlige Rufe ausstieß, nahm ich nur am Rande wahr – als ich jedoch nahe genug war, um zu sehen, dass gar kein Kind mit ihm spielte, wurde ich stutzig. Der Mann amüsierte sich prächtig allein – wie auch seine vielen seltsamen Freunde, die augenscheinlich nach dem Entern des Whirlpools keinen Schritt mehr heraus gemacht hatten. Nun wollte ich nicht erschrocken innehalten, das wäre den offensichtlich Behinderten gegenüber unfair gewesen.
Also betrat ich forsch den Whirlpool und genoss die Wärme des Wassers ein Stück entfernt von den sich tummelnden Gästen. Bemühte mich, sie nicht anzustarren, obwohl eine wahrscheinlich Sechzehnjährige mit ihrem vielleicht dreimal so alten Freund innigst schmuste. Ich bemühte mich auch, nicht zusammenzuzucken, wenn eine ältere Frau lautstark wehklagte, sobald sie einen Wasserspritzer ihres Gegenübers abbekam – der wiederum bewässerte sie mit unbändiger Freude bei jedem einzelnen Aufschrei.
So bekam ich natürlich relativ spät mit, dass ein Mann in Fantasiesprache brabbelnd immer näher rückte und eine junge Frau anscheinend längst mit mir sprach.
Doch als der Mann sein Knie an meinem platzierte, sah ich hoch – und entdeckte so auch, dass wir längst von Leuten auf den Liegestühlen angestarrt wurden. Nun hatte ich die Wahl, die ungeniert starrenden Leute ebenso ungebührlich zu fixieren – oder mich dem Mann neben mir zuzuwenden.
Ich wählte den Mann
und lächelte ihm vorsichtig zu, nickte gelegentlich und merkte endlich, dass er nicht nur brabbelte, sondern mir etwas zu erzählen schien. Und sobald ich mich auf seine undeutlichen Worte konzentrierte, konnte ich seinen Redeschwall verhältnismäßig gut interpretieren. Seine Enttäuschung über irgendwelche Fahrräder, was es zum Mittagessen gegeben hatte – doch bei gewissen Worten scheiterte ich ziemlich oft. Da er sie ständig wiederholte, schien es wichtig zu sein. Also gab ich mir noch mehr Mühe und begriff schließlich, dass er mich nach der Uhrzeit fragte, weil er Biene Maja schauen wollte.
Das war der Wendepunkt in unserer Kommunikation.
Ich kam mir vor wie beim Erlernen einer Fremdsprache, fragte nach, achtete auf seine Gestik und Mimik, und überprüfte mit seiner Reaktion auf meine Antwort, ob ich richtig gelegen hatte. Inzwischen war sogar eine Mutti mit ihrem Kleinkind in den Whirlpool gestiegen und unterstützte mich bei seiner Frage nach dem Sandmännchen-Sendetermin, den ich leider nicht wusste.
Auch die anderen kamen immer näher, umringten mich – und selbst in die neugierige Gruppe auf den Liegestühlen kam Bewegung. Was wiederum zur Folge hatte, dass mein Gesprächspartner nun meinen Arm vereinnahmte, seine Freunde abdrängte und mir all seine Wunden zeigte, während die anderen immer aufgeregter mit Wasser spritzten. Eigentlich wollte ich gerade aufstehen, weil durch den Lautsprecher nun der Wellengang angekündigt wurde und ich dort noch eine Sporteinheit zu absolvieren hatte
.
Aber ich kam nicht richtig aus der beeindruckenden Menge von den fröhlich auf mich einredenden Menschen heraus. Irgendwie erinnerte mich die Szene an den quirligen Film “Im Dutzend billiger” – zumal die Mengenverhältnisse stimmten. Selbst die sich jetzt nähernden Liegestuhlstarrer waren ziemlich zahlreich – und nun erkennbar als die persönlichen Betreuer, die vorher ihre Schützlinge aus sicherer Entfernung beobachtet hatten.
Ich stellte auch fest, dass es gar nicht so schlecht gewesen war, diese Unruhe im Erlebnisbad, das Gespräch über Biene Maja und Sandmännchen … das Konzentrieren auf die kleinen Freuden im Alltag.
… das Schneeball-Jagen und Schneemann-Bauen mit Nero:
… artete ab einer gewissen – bedrohlichen? – Größe aber regelrecht in eine Schlacht, in die Zerstörung der wehrlosen Schneebälle, des hilflosen Schneemanns aus:
Was für ein Drama – ausgerechnet zu Weihnachten, zum Fest der Liebe! Selbst die herbei geeilten Rettungskräfte wurden nun attackiert:
Doch alle Beteiligten beruhigten sich wieder – wir von unseren Lachanfällen, Nero von seinem (immer wieder gestörten) Tunnelgraben, Schneeball-Suchen im Schnee und dem Beseitigen-Wollen des Rivalen … denn das wurde ohne sein Zutun bereits einen Tag später erledigt.
Durch milde Sonne und lauen, harmlosen Wind.
… kommt der Weihnachtsdruck für viele.
Doch unsere Familie hält den Stresspegel immer noch gering (siehe das letzte Interview zu diesem Thema) mit Kaufen, Backen, Braten, Schmücken des Hauses.
Was aber nicht heißen soll, dass man keine eindrucks- und geschmackvollen Neuheiten zulassen sollte.
Zumal es sich um einen echten Insidertipp, um solch herrlichen Sträuße von der Blumenstube Uta Richter in Bad Liebenwerda handelt.
Da macht das Warten im Advent doch gleich noch mal so viel Freude …
… sangen wir heute zwar nicht auf dem eröffneten Uebigauer Weihnachtsmarkt … aber ich hatte sie dennoch, fieberte fast dem dort vereinbarten Treffen mit Carmen Lademann, der Gästeführerin und Vorsitzenden vom Heimatverein, entgegen – und der Übergabe des von ihr für mich genähten, kuschelig warmen Wintermantels im Mittelalter-Look.
Da kann ich jetzt beruhigt und voller Freude dem nächsten, historischen Weihnachtsmarkt am 12. und 13. Dezember in Strehla entgegensehen, wo ich den dortigen Besuchern neben unseren Romanen noch allerhand freudige Überraschungen anbieten werden kann …
… und dabei sicher nicht frieren werde … trotz des darunter zu tragenden, aufreizenden
, zeitgenössisch-luftigen Kleides – erworben von Silvia Tapp bei Gargoyle´s fantasy & more.
Also, Mädels: ein Einkauf bei Carmen und Silvia lohnt sich für euch allemal – und ich garantiere, dass es dabei nicht nur freudig, sondern regelrecht spaßig zugehen wird.
Knurrte Alice in „NEW MOON – Biss zur Mittagsstunde“ – und ich, bekennender Fan jenseits der Zielgruppe, lachte auf. Es war aber das einzige Mal während dieser „Ladies Preview“-Vorstellung.
Ansonsten tränten mir die Augen – aber nicht wegen der Tatsache, dass Bella von Edward verlassen wurde. Nein, da hatte ich mich schon beim (mehrmaligen) Lesen des hervorragend geschriebenen Buches ausgeweint. Vielmehr quälten mich heute Abend die vielen Paare in der Visionsbar des Kinos.
Denn egal, ob Bella schmachtete, Edward seufzte, Jacob warb – immer klickten Feuerzeuge um mich herum. Ich war beim Kartenkauf nicht über die Raucherzone informiert worden und inhalierte nun ungewollt von den knapp 30 Zuschauern schätzungsweise 200 Zigaretten binnen des Films … und durfte mich dann noch über geteilte Darsteller freuen (saß nämlich ungünstig vor einer Fuge, Falz, Spalte in den Glaswänden) … unterdessen ich mich über den Service, das Bringen des fast geschmolzenen Eisbechers 55 Minuten nach der Bestellung, zur Zeit des Hauptfilmes wirklich ärgerte (hätte gern während der vorher ausgestrahlten Werbeblöcke genascht und gesehen, was ich mir in den Mund schiebe …)
Tja, wie meinte Bella einst so schön: „Es zerstört die Romantik.“
(Mein eigener Hund übrigens freute sich zwar unbändig über mein Heimkommen, schnupperte dann jedoch irritiert an meiner Bluse, nieste erbarmungswürdig, lutschte und knabberte nicht mehr an meinen Fingern … wollte offensichtlich MICH lieber rauslassen …)
Ach, hat das Erinnerungen geweckt … an das damalige, tagelange Stehen im Großen Hörsaal der Bergakademie Freiberg … an das Schimpfen des Mannes aus dem Ü-Wagen, wenn wieder ein Instrument hervorgestochen hatte, eine Stimmgruppe dagegen versackt war …
Doch heute (22 Jahre später in Finsterwalde) hatten wir für die zu produzierende DVD nur 1 Stunde zur Verfügung … aber sonst war es ähnlich, wir wiederholten „Elstertal“ und „Im schönsten Wiesengrund“ so oft, dass sie bereits auf meiner Beliebtheitsskala herunterrutschten. Und „Brandenburg“ wurde schlussendlich geopfert, was mich aber nicht verzweifeln lässt – denn seit ich die Version von Rainald Grebe im Ohr habe …
… fällt es mir schwer mit der angemessenen Begeisterung für solche Zeilen wie:
„Beim Anblick deiner Seen und frischem Kiefernduft … die Bäume der Alleen durchzieh’n als grünes Band … es leuchtet gelber Sand … die Seen, Felder, Auen sind unser ganzes Glück! Man soll sie nicht verbauen, es bringt sie nichts zurück!“ (Also, ich persönlich hätte nichts gegen ein paar Forschungslabore und ernst zu nehmende Gewerbegebiete einzuwenden …)
Egal, ich bin jetzt so nostalgisch, dass ich die alte Freiberger Platte hervorholen (es ist eine von denen, die „nur mit einem Mikro- oder Stereoabtaster abzuspielen” ist … ja, ich hege und pflege ein solches Gerät noch
) und „Gaudeamus igitur“ sowie „Glückauf, Glückauf!“ auflegen werde – völlig egal, was meine Familie dazu meint.
Ich sitze und entwerfe das neue Konzept für den Nachfolger vom „Sturm der Verdammnis“. Komme nicht recht weiter und genehmige mir daher erst einmal einen heißen, duftenden Kakao … und setze mich mit der Tasse zum Stapel mit den Lieferscheinen, Rechnungen, Bestellungen.
Hebt zwar die Stimmung – aber meinen mittlerweile gut durchwachsenen Hintern muss ich anderweitig hochkriegen. Doch wie kann ich mich motivieren? Da ich lieber entspannt im Sessel telefoniere, als in meinem Steingarten für Ordnung zu sorgen? Lieber im Netz surfe als im angrenzenden Wald zu joggen?














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