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Ich liebe ja Krimis, Psychothriller und – wenn ich gut drauf bin – auch Horror und Mystery.
Ich mag auch Kinder, klein, naiv, unschuldig und schützenswert.
Und ich wäre nie von allein auf die Idee gekommen, beides zu „vermischen“, mit Kindern Horrorszenen zu besprechen.
Aber die Kinder in einem meiner letzten Workshops wollten das – und verblüfften mich damit total.
Wo war die Begeisterung für „Biene Maja“ oder „Shrek!“, „101 Dalmatiner“, „Zurück in die Zukunft“ oder meinetwegen auch „Barbie und …“ geblieben?
Nichts davon wollten die Zehn- und Elfjährigen kreativ beschreiben, nur eine Geschichte mit Mord und Verfolgungsangst, mit Wasserleichen, faulendem Fleisch, Sägen à la Jig Saw und Bomben auf die Heimatstadt … und was taten sie, als ich ihnen von meinem Entsetzen bei den „Star Wars“-Neuverfilmungen berichtete, meinem Ekel bei den Leidensszenen von Anakin Skywalker, dem Abschneiden von Beinen und Verbrennen im Lavastrom?
Sie lächelten milde und erklärten mir ihrerseits das Normale, das Gewohnte an solchen Massakern wie in „Chucky – die Mörderpuppe“, Saw I bis IV, „Sieben“, „The House of Wax“ … mit Äxten, Drähten, Fallen, Kettensägen …
Klar, damit ist unser Nachwuchs bestens gerüstet. Bereit, um alles leicht zu zerstückeln …
Na gut, vielleicht der eine oder andere Autor, aber ich nicht.
Deshalb hat mich das heutige Gespräch mit einer Leserin auch verwundert, fast schon verunsichert.
Sie rief zum ersten Mal hier an und bezog sich auf meine Lesung vor knapp 13 Monaten in Hoyerswerda, als ich den Krimi vorgestellt hatte. Hauptsächlich wollte sie mir zwar erzählen, dass der in meiner Romanhandlung auch vorkommende, damalige spektakuläre Kriminalfall wieder im Fernsehen besprochen werden würde, doch dann schwatzten wir angeregt über Hoywoy, kramten Erinnerungen hervor an Kriminelles, Gemütliches und Drolliges.
Aber dann kam sie – die Frage, die ich am Telefon, nach 13 Monaten nicht erwartet hatte.
„Sie schreiben in Ihrem Buch von einem Mann mit Gehfehler? Da gibt es einen in der Nähe, aber den meinen Sie nicht?“ Um Himmels willen! Natürlich meine ich den nicht (denken das etwa viele Leute?!).
Und schon steckt man als Autor in der Klemme. Einerseits muss man so detailreich und authentisch wie möglich rüberkommen – wozu auch gehört, Erwähnenswertes, Interessantes, Berührendes, Verstörendes zu beobachten, festzuhalten, dem Leser irgendwann nahe zu bringen – doch andererseits sollte man nie, nicht, nimmer einen echten Menschen in voller Pracht darstellen und damit womöglich verprellen.
Mein Pech, dass ich nicht wusste, dass in der Nähe meines Handlungsortes nun einer lebt und arbeitet, der meinem Kaspar aus dem Roman ähnelt.
Und mein Glück, dass die in unseren anderen Romanen vorkommenden Plünderungen, Schändungen, Folterungen, Intrigen und Treuebrüche historisch zwar belegt sind, niemand jedoch die gemeinen Kerle und schlüpfrigen Frauenzimmer, viele pikante Sachen mit seinen eigenen Nachbarn in Verbindung bringen müsste.
Dachte ich zumindest … bis mir vor kurzem jemand erzählte, dass die Leute (erfreulicherweise!) an einem der Romanschauplätze das Gehöft und die Nachfahren des grausam behandelten Wirtes suchten … nach 370 Jahren …

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