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Erlebte ich besonders in Nürnberg und dann noch mal in Leipzig, als ich mich nach dem anregenden Autorentreffen für die Heimreise ins beschauliche Elbe-Elster-Gebiet vorbereitete.
Denn ich entschied mich spontan zu einem Kino-Besuch in der Großstadt – da ein Pulk von Jugendlichen mir am Eingang signalisierte, dass die Abendveranstaltung noch nicht angefangen hatte … aber die unerwartete Ausstattung in diesem unterirdischen Areal mit Großleinwand für die letzten Fußballergebnisse, Zentralbar und Restaurants, zig Verkaufsstellen für spanische Spezialitäten und asiatische Küche, dazu Telefonzellen, Rampen und Treppen, Sitznischen und Werbebanner und 21 Kino-Säle überstieg dann doch die Erwartungen einer Kleinstädterin.
Ich entschied mich – schier erschlagen von den Wahlmöglichkeiten – schlussendlich für „Kampf der Titanen“ in 3D, wählte auf dem Display meinen Wunschsitz, hielt die Karte an den elektronischen Türwächter, ließ mich zur Medusa entführen … und verlief mich (wegen des falsch gewählten Ausgangs) prompt auf der Rückkehr zur Unterkunft, bestaunte die munteren Massen auf den Plätzen und beneidete deren Möglichkeiten, auf der Straße gegen Mitternacht noch knusprigen Döner und leckere Eissorten kaufen zu können …
Aber bis zur Abfahrt in unsere Gegend hatte ich mich wieder von den Überraschungen erholt, genoss die Ruhe auf dem Bahnsteig und kam mit einer älteren Dame ins Gespräch. Natürlich über das Wetter
. Wir stellten zunächst fest, dass wir auf denselben Zug warteten … dann, dass wir auch denselben Zielbahnhof hatten, beide innerhalb von 9 Minuten denselben Schienenersatzverkehr erreichen mussten … und an derselben Haltestelle (die mit der Birke in der Bahnsteigfuge
) aussteigen würden.
Durch meine leidvollen Erfahrungen mit der Bahn bot ich daher natürlich der 85-Jährigen an, in Leipzig mit ihrem Koffer vorzustürmen und sie im Bus anzukündigen … doch leider hätte es nichts genutzt. Denn der ICE wartete bereits in Nürnberg auf Anschlussreisende, holte die Verspätung nicht mehr auf. Und ich fing an zu mosern, brachte den leicht genervten Zugbegleiter dazu, uns den Anschluss zum SEV-Bus zu organisieren … und freute mich mit der Dame und weiteren Reisenden über zwei Servicemitarbeiter der Bahn, die uns mit Funkgeräten zum wartenden Bus lotsten … und die ununterbrochene Weiterreise ermöglichten.
Welche Überraschung!
meinte Christine, als wir uns beim Nürnberger Autorentreffen über Schreibhindernisse austauschten, und über Blockaden und Ablehnungen, Selbstzweifel und das Hallelujah-Gefühl bei gelungenen Kapiteln.
Der Erfahrungsaustausch war ja neben Wiedersehen und Kennenlernen der Sinn der Sache und mir lief „heuer“ eine mörderische Schwester über den Weg, dazu eine Namensvetterin aus dem Norden und eine Bekannte mit Ost-Wurzeln, ich sah ebenfalls ein 8 Wochen altes Baby und einen 12 Jahre alten Hund unter den rund 70 Teilnehmern, welche die Veranstalterin alle mit Namen begrüßte, obwohl die wenigsten eine Homepage mit Fotos hatten, die meisten nie in den Medien waren, man sich auch nur einmal im Jahr traf. Wie machte Ursula das bloß?
Ich habe es auch bei diesem, meinem dritten Treffen nicht herausgefunden. Bei dem ich zugegebenermaßen nicht mehr viel Neues lernte, immerhin wusste ich ja längst, wie man glaubwürdige Protagonisten erschuf, wie die Spannung in den Krimi kommt, was ich bei einer Lesung nie sagen würde und welche verblüffenden Fragen aus dem Publikum kommen könnten.
Diesmal interessierte ich mich hauptsächlich für das Drehbuch – schließlich wurde ich in letzter Zeit wieder häufiger von begeisterten „Sturm der Verdammnis“-Lesern auf eine Verfilmung ihres geliebten Stoffes angesprochen. Nun wusste ich schon für die Erstellung des damaligen Fernsehbeitrages für zibb im rbb, wie schwierig es sein kann, einen packenden Dialog für 20 Sekunden auszuwählen und glaubhaft rüberbringen zu lassen und die Kulisse mit Schloss, Pferden, Ratsherren, beschäftigten Mägden und Bütteln, wandelnden Damen und Herren in ihren historischen Bekleidungen bereitzustellen, alles nicht allzu laienhaft aussehen zu lassen – und ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie teuer eine Filmproduktion werden kann. Schließlich steckten schon damals für den 3 Minuten-Beitrag an 4 Drehorten mehr als 6 Stunden Arbeit von Moderatorin, Kamerateam und Darstellern drin.
Und der vortragende Drehbuchautor Oliver Pautsch bestätigte dann auch, dass es wie im Literaturbetrieb zugeht. Man sich permanent anbieten und Kontakte knüpfen, um Fördermittel buhlen und unzählige Konkurrenten verdrängen muss und vierstellige Summen schon für Kurzfilme von 15 Minuten aufgetrieben werden müssen, in denen 1 Woche Arbeit stecken kann. Auch, wenn die 2 Darsteller umsonst arbeiten und nur ein Häuschen als Kulisse gebraucht wird …
Ooch, wieder ein Zahn gezogen.
Na, wenigstens war es dann beim Mittagessen erfrischender. Einer ohne Punkt und Komma redenden Teilnehmerin zuzuhören, die ihrem Nebenmann genau erklärte, wie er zum Erfolg kommen könnte. Ich wurde allerdings stutzig, als sie von den Verlagen sprach und deren Zugeständnissen hinsichtlich Abgabetermin und Honorarzahlungen … und ich lehnte mich milde lächelnd zurück, widmete mich wieder meinem Schnitzel … da die eifrige Dame das Wunder nicht selbst erlebt hatte, nur vom Hörensagen ihrer Freundin berichtete.
Also ist weiterhin Kämpfen und Leiden angesagt, Durchsetzen und Dranbleiben, um irgendwann den (vom ebenfalls im Bildungszentrum referierenden PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick) erwähnten Adelsschlag zu erhalten, einmal im Leben in den Drehständer von Edeka zu kommen.
Auch, wenn ich dafür zunächst über bellende Papageien schreiben muss.


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