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fauchte mich meine (pubertierende) Tochter an, “los! Sprich mir das nach! Und halte dich dran!”
Na, bei so einer netten Aufforderung streckt man doch gern die Beine aus – und lässt sich das von der anderen Tochter vorbereitete und mit Deko verzierte Frühstück munden.
Sieht gut aus, nicht?
Hach, und wie schön es heute mit den Kindern noch werden wird, weil auf dem Ablaufplan für mich nur die farbig markierte Freizeit gilt
… doch eine neue Arbeit wartet leider schon.
(Denn unserem Hund passte das Aussperren natürlich nicht – und in solchen Fällen besabbert er trotzig die Scheibe, die natürlich wieder von mir geputzt werden will … aber das wird erst morgen gemacht – sonst kriege ich Ärger mit der mittleren Tochter, siehe oben.)
In diesem Sinne wünsche ich allen Müttern heute einen entspannten Muttertag.
… der sollte folgendes Buch lesen:
„Solange ich atme, hoffe ich“ Verschollen im Himalaja. Eine Geschichte vom Überleben. (Oesch Verlag, ISBN 3-85833-274-7)
Gut, das Buch ist nicht neu, sogar schon etwas angejahrt – und offenbar nur noch gebraucht zu beziehen – aber es lohnt sich, Zeit zum Besorgen, Lesen und Nachdenken über die teils harschen Kritiken bei Amazon zu investieren.
Denn mir hat es gut gefallen.
Die Schilderung von einem verirrten Wanderer, der völlig unzureichend ausgerüstet war und mit schlimmsten Widrigkeiten zu kämpfen hatte – sich aber nicht ausgab, durchbiss und schließlich die Situation meisterte.
Natürlich nur mit Hilfe seiner energischen Schwester, die ebenfalls gegen alle Hemmnisse aufbegehrte, in kaum vorstellbarer Ärmlichkeit, einer zähen und fremdsprachigen Bürokratie ihren Vorstellungen folgte, mit selbstsüchtigen Personen auskommen musste und trotz immer zahlreicher gegebenen Ratschlägen zum Aufgeben das gerade nicht tat.
Und damit ihrem Bruder das Leben rettete.
Klar, auch ich habe mir an den Kopf gegriffen, wie man im winterlichen Himalaja mit Turnschuhen, ohne Streichhölzer und Proviant losziehen konnte … aber nicht nur diese Torheit erstaunte mich, sondern, was James Scott dann noch aus der verkorksten Situation rausholen konnte – und damit uns hier, die mit vergleichsweise läppischen Problemen konfrontiert sind, das Jammern zu verleiden …
(Teil 10, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Sprich endlich mit mir, MM!“ Anika sieht ihn prüfend an. „Was ist aus deinen Träumen, was ist aus dem sich hoffnungsvoll ausbreitenden Yannik honey fungus geworden?“ Sie greift in ihre Tasche und zieht einen Stapel Papiere heraus.
„Rekapitulieren wir mal. Zuerst war doch dein Manuskript zu speziell geraten. Deshalb hast du alles für eine umfangreichere Leserschaft umgeschrieben. Damit war es aber zu fade geworden und reif für den Plan B.“
„Hast du gemeint!“ Er funkelt sie an. „Ich fand es universeller.“
„Hmm“, sie schmunzelt zurück, „wie auch immer. Jedenfalls war es höchste Zeit für einige Aufreger in deinem Leben.“
„Die ich ja in Netzwerken und Ratgebern gefunden habe“, er winkt ab. „Und ich habe auch ohne eigenen Glamour und Exzesse genügend Schlüpfrigkeit und Doppeldeutigkeit in mein Werk eingebaut.“
„Meinst du wirklich“, sie wedelt mit den Papieren, „dass das für die richtigen Leute gereicht hat? Hast du schon vergessen, wie du von den anderen über den Tisch gezogen werden solltest?“
„Das hab ich genauso wenig wie deine Hilfe in Bezug auf das Auftreten gegenüber Verlagen und Agenturen. Ich hatte ja dadurch das Exposé angepasst und so den Interessenten gefunden.“
„Stimmt“, sie legt die Papiere ordentlich ab und beugt sich grinsend vor, „das hatte mit dem Lektor und Plan B geklappt . Aber …“, sie lässt das Grinsen entweichen und schaut ihn wieder durchdringend an, „seitdem ist doch so viel Zeit vergangen, dass ich dein Buch schon längst hätte entdecken müssen.“
„Es ist vergriffen.“
„Wahnsinn! Und wieso bist du dann so miesepetrig drauf, gerade so, als ob man dich retten müsste?“
„Vielleicht, weil ich durch das Schreiben und Vermarkten verletzlicher geworden bin und erst in der vorigen Woche wieder beunruhigende Sachen gelesen habe?“
„Was hat dich denn erschüttert?“
„Dass man trotz aller Liebe zum Bücherschreiben und der Treue zu sich selbst ganz schön wandelbar sein muss. Erst dünnhäutig, dann mit einem Schildkrötenpanzer, wie die gestandene Autorin Carmen Winter meint.“
„Wenn es dem Erfolg dient, warum nicht.“
„Na ja, Erfolg ist relativ. Ich kann mich nicht ständig verbiegen, nur weil es die Vertriebler verlangen. Eher halte ich es mit Hans Pleschinski, der sich trotzig vom Markt abkoppelt und gewollt unverdaulich ist.“
„Meinetwegen sei auch das, Hauptsache, du verkaufst dich.“ Sie lacht schallend – und merkt erst ziemlich spät, dass er nicht einstimmt.
… singt sich sicherlich jeder Unternehmer abends vor
. Zumindest heimlich.
Und für diese so wichtige Art der Kundenbindung gibt es ja nun mehrere Möglichkeiten – ich hab hier 3 für Sie, aus den Bereichen: „Frau muss essen, gut aussehen und sich weiterbilden“.
Sehen wir uns zuerst die hiesige Filiale unseres sehr erfolgreichen Bäckers an.
Ich gehe dort oft bis öfter hin – hole mir zu gern das Angebot des Tages, Schlemmerwürstchen und knusprige Brötchen. Und ich passe als gute Kundin natürlich auf, dass ich immer über den Zwei-Euro-Fünfzig-Schritt komme, notfalls ein Leckerchen mehr bestelle. Denn für 5,00 Euro Rechnungssumme bekomme ich schon mal 2 Treuepünktchen und bei 10,00 Euro sind es 4.
Und wenn ich von diesen Pünktchen dann das Schutzpapier abgefummelt („Ja, das ist manchmal mühsam. Aber lassen Sie das doch Ihre Kinder machen, die machen so was bestimmt gerne!“) und sie ins Heftchen geklebt, meine vollständige Adresse
angegeben und es beim nächsten Besuch abgegeben habe (wo es natürlich so verrechnet wird, dass es für das nächste Pünktchen des Zwei-Euro-Fünfzig-Schrittes nicht mehr reicht
) – dann habe ich bei überreichten 75 Euro kundenfreundliche 2,25 Treue-Euro rausgeholt. Wow.
Doch besser noch war die Friseuse meines Vertrauens.
„Das nächste Mal brauchen Sie nur noch den Haaransatz nachfärben zu lassen, das wird dann billiger.“ Über dieses Versprechen freute ich mich natürlich, kam zur vereinbarten Zeit – und wartete erst einmal eine knappe Dreiviertelstunde, bevor ich dran kam und bedient wurde. Mit dem Schneiden von ca. 9 Spitzen (mehr gab es nicht zu tun, da ich die Haare lang wachsen lasse) und dem Draufklatschen der schwarzen Farbe auf meinen Kopf (beim ersten Mal hatte sie dagegen die Strähnen fast zärtlich eingepinselt). Spätestens da wunderte ich mich – und beobachtete argwöhnisch meine zwischengelagerten roten Strähnen (doch es hätte sein können, dass sie mir ein neumodisches, selbstständig farbaktivierendes Zeug verpasste
). Als die Prozedur beendet war (und ich die Dame noch darum bitten musste, mir die angetuschten Linien von Stirn und Ohren zu wischen – sah ich aber das Dilemma deutlich: einen 2 cm breiten, schwarzen Scheitel passgenau an den roten Strähnen – genau so, als ob ich als Laie versehentlich die falsche Farbe benutzt hätte. Nun machte ich aber den Mund auf: „Äh, was ist denn das?“
Antwort: „Wieso? Sie hätten schon sagen müssen, wenn Sie die roten Strähnen auch nachgefärbt hätten haben wollen. Das können wir ja dann das nächste Mal machen.“ Und schon tänzelte sie zur Kasse und flötete. „Ich gebe mal bloß Nachschnitt ein, war ja heute kein richtiger Schnitt.“ Und dann verlangte sie einen Betrag, der mich entsetzt ausrufen ließ: „Aber es sollte doch billiger werden?!“
Prompt war sie entrüstet: „Ist es doch auch! Dachten Sie etwa, dass es 20 Euro weniger wären?“ Na ja, auf eine Summe hatte ich mich nicht versteift – aber 5 Euro weniger war ja nun alles andere als kundenfreundlich. Ob ich da noch einmal hingehen werde? Glaube kaum … aber dann kann ich natürlich auch nicht in den Genuss von deren Treuebelohnung kommen – 1x Energie Kopfmassage oder 1x Wimpern färben oder 3 Euro Rabatt bei abgestempelten 300 Euro.
So gefrustet setzte ich mich an den heimischen PC (verkniff mir jegliche Blicke in den Spiegel), surfte im Web und traf mal wieder auf Gitte Härter von www.Unternehmenskick.de, die mir schon früher aufgefallen war. Und die sich natürlich auch überlegt hatte, Geld zu verdienen und ihre Kunden an sich zu binden.
Aber mit dem Unterschied, dass sie die Sprache ihrer Kunden spricht, auf deren Bedürfnisse eingeht, es mit ihren Tipps und Tricks immer wieder schafft, dass man sich fest liest, Hoffnung schöpft, sinnvolle Anregungen für das eigene Geschäft vermittelt bekommt – kurz, Geld verdienen statt nur verschleudern kann.
Logischerweise bestellte ich mir wieder einen ihrer Kurse, gab auch – ohne Aufforderung, ohne Gängelei – meine Kommentare ab … und was passierte? Ich bekam unerwartet, einfach so ein sehr zweckmäßiges Geschenk von ihr mit herzlichen Grüßen.
Ohne dass ich erst Pünktchen kleben oder 300 Euro hinblättern musste … oh, wie wohl ist mir mit solchen Partnern.
Die Meldung meines Providers erreichte mich, kurz bevor ich mit der Steuererklärung fertig wurde.
Und ja, ich fühlte mich durch das tagelange Sortieren von großen, kleinen und popeligen Belegen, dem Buchen und Nachrechnen, Aufspüren von Differenzen, Ausdrucken, Kopieren und Zusammenstellen der Zettelstapel ohnehin ausreichend lahm gelegt.
Aber dass ich bzw. mein Account gehackt worden bin, begriff ich erst richtig, als ich die Meldung mit dem Öffnen meiner Website überprüfen wollte. Doch da war nix. Ich war abgekoppelt, abgeschnitten, ausgegrenzt … eben gesperrt.
Immerhin war mir klar, dass offenbar ein verbesserter Virenschutz her musste. Ich informierte mich und klickte mich durch zum Download-Button. Von diesem wurde ich zurückgeleitet zum Partner, der den empfohlenen Download zur Verfügung stellte. Zwar hatte ich diese Seite gerade erst besucht, aber ich spielte mit und ertrug die 45-minütige Wartezeit bis zum Aufbau der (mit Grafiken und Animationen und Werbeeinblendungen und Kaufverlockungen überladenen) Seite klaglos. Ich holte mir einfach was zu essen und harrte aus. Doch als ich wieder zum Download-Button geleitet wurde, kappte ich die Verbindung freiwillig.
Versuchte es Stunden später erneut – ausgeruht und abgekühltem Notebook (dass das noch wichtig werden sollte, merkte ich recht bald). Ich lud mir das Schutzprogramm herunter und trennte mich vor dem Entpacken vom Internet … bildete mir nämlich ein, alle möglichen Türen für das Scannen des Rechners auf Schadprogramme schließen zu müssen.
Doch der Anbieter war offenbar anderer Meinung.
Die Hinweise und Empfehlungen zur Installation gab es nur auf dessen Homepage … ebenso wie die Datenschutzrichtlinien. Die hätte ich nun wirklich gern gelesen, nach dem ich unter Punkt 7a bei der Lizenzvereinbarung erfahren konnte, dass ich der Übermittlung von Infos zu Soft- und Hardware, IP-Adresse, Betriebssystem, Webbrowser, Dateien, Lieferanten, Datum und Größe, Pfade und Anwendungen, System-Kontrollpunkte, Programme und Einstellungen und Konfigurationen und Registrierungsdatenbank-Schlüssel und meinem Verhalten (?!) zur Sammlung und Nutzung zustimmen sollte. Dann wurde mir noch verraten, dass meine Windows-Firewall deaktiviert werden würde und dass Benachrichtigungen über Popup-Fenster als zugestellt gelten, unabhängig davon, wann ich sie tatsächlich erhalten habe. Und dass das Recht des Staates Delaware gelten würde und bei Kollisionen in den Übersetzungen die englische Version.
Wow, da fühlte ich mich doch schon viel sicherer und geschützter.
Selbstredend natürlich, dass bei der Installation auch das vorher zuständige Konkurrenzprodukt gemordet wurde
mit den schönen Formulierungen: „momentan potentiell inkompatibel … empfehlen ausdrücklich, diese Anwendungen zu entfernen, um unnötige Konflikte zu vermeiden“. Ich tat es mit Abschiedsschmerzen – und fragte mich sofort entsetzt, ob ich mit den dabei auch gelöschten Quarantäne-Dateien nicht den nächsten Fehler machte … Na, ich sollte ein wenig in der Ungewissheit verbleiben … denn für die folgenden 20 Minuten flackerten nur die Lämpchen, der Bildschirm zeigte mir dagegen nichts … bis die Meldung erschien, dass mein vorheriges Anti-Virus-Programm erfolgreich installiert worden wäre. Hä?! Es sollte doch deinstalliert werden?! Doch sicher war die fehlende Silbe nur ein Scherz der Programmierer gewesen, so zum Aufpeppen der Wartezeit. Denn dem Aufspielen des Nachfolgers stand nun nichts mehr im Wege.
Ich freute mich über die Eingabe der 42-stelligen Lizenznummer, der gleich mit erledigten Toolbar-Installation („Noch heute! Um Schwierigkeiten zu vermeiden!“) und der neuen Standardsuchmaschine
. Ha, was war das nun für ein Gedrängel in der Adressleiste um mich und mein Nutzer-Verhalten (denn die zuerst da gewesene und konkurrierende Suchmaschine ließ sich doch nicht einfach so rauskicken!). Ich freute mich auch noch, dass die Installation von Drittanbietern problemlos klappte und die Werbebotschaften klar und verständlich erschienen – bis zu der Meldung, dass mein Programm nicht auf die neueste Version aktualisiert wurde und ich deshalb dem Scannen nach Nutzerinformationen zustimmen sollte.
Nein, da wurde ich zickig. Ich wollte nicht. Und zack, versuchte ein kleiner Prevalence Reporter dennoch die Verbindung zu seinem heimischen Programmierer aufzubauen. Nanu, nana, was soll ich denn davon halten? Aber ich vergaß meinen Ärger über den widerspenstigen Reporter, als die Meldung kam: „Sie sind geschützt, alles auf dem neuesten Stand.“
Und das war ich für 10 Sekunden, denn nun beglückte mich die Meldung: „Sie sind möglicherweise nicht geschützt.“ Tja, die eben downgeloadeten Datenbanken waren schon veraltet. Doch ich war jetzt bereits so weit, mich nicht mehr aufzuregen, nur noch den Optimierungsscan zu überstehen und die angestrebte Virenprüfung endlich zu starten.
Und nun war es soweit. Ich half dem Notebook bei seinem schwierigen Unterfangen, baute einen Ständer für den Ventilator und klemmte für eine gute Luftzirkulation Bücher unter die Ecken des Geräts … widmete mich erfreulicheren Sachen und guckte erwartungsvoll nach 77000 gescannten Dateien nach. Mittlerweile waren 9 Stunden vergangen – doch es gab keinen Laufbalken, keine Statusanzeige, nichts, was mir zeigte, wann die Virenprüfung zu Ende wäre.
Beim Stand von 85000 überprüften Dateien und 0 Bedrohungen hielt ich an und schaute nach Einstellungen, um die Sache etwas beschleunigen zu können. Und ich fand tatsächlich einen Schieberegler für die Geschwindigkeit – brach dabei jedoch versehentlich die ganze Prüfung ab.
10 Stunden und 20 Minuten waren für die Katz. Ich hätte den Sch… aber ich startete das Ganze neu und gesittet.
Und spürte so nach insgesamt 38 Stunden die Übeltäter auf: 2 Trojaner hatten mir das angetan.
Der Rest war fast pillepalle. Die Aktualisierung der Datenbanken, der Schriftverkehr mit Provider und Webdesigner, das Entdecken der verseuchten Seiten, das Entfernen des Schadcodes … und das Entsperren
!
Mann, wenn ich mal richtig gehässig werden wollen sollte, werde ich Virenprogrammierer!
Wurde mir gerade am Telefon übermittelt (gleich nach der Gratulation zu meinem Geburtstag
) – und ich schluckte bei der Betonung auf das Sterile … kamen die Worte doch von dem Partner einer meiner ältesten Freundinnen, einem Mann, der mal vor Gesundheit und Kraft strotzte … jedoch vor Weihnachten einen Verkehrsunfall gehabt hatte.
Und seitdem im Krankenhaus liegt, gegen einen heimtückischen Keim kämpft, den MRSA-Tabu-Keim.
Und nebenbei um die Anerkennung als Arbeitsunfall kämpfen und auch erleben musste, dass (in 2 Krankenhäusern!) durch die offene Wunde am Bein die lädierte Hüfte übersehen wurde. Diese aber durch den epidemischen Keim, mit dem er sich in der Heilanstalt infiziert hatte, nicht operiert werden kann.
Und so liegt er nun seit über 5 Monaten hilflos 150 Kilometer von der Familie entfernt, befürchtet Amputation und tödliche Blutvergiftung.
Da verkommt jeder Genesungswunsch zur Phrase.
So wurde es bei der Eröffnungsveranstaltung zur kulturhistorischen Entwicklung im Landkreis Elbe-Elster verkündet, zu der auch ich eingeladen worden war. Zur Tagung im hervorragend sanierten Refektorium vom Kloster Dobrilugk und inmitten von Freunden, Bekannten, Geschäftspartnern und einigen Frauen, denen ich Mailadressen und Telefonstimmen nun zuordnen konnte und mit denen ich auch gern wieder gesprochen hätte.
Aber da ich von den Veranstaltern am Empfang ein grünes Smiley-Etikett gezogen hatte, sollte ich natürlich auch an den Tisch mit den grünen Smiley-Servietten (und der grünen Abfallschale neben den verlockend arrangierten Faserstiften, Tassen, Gläsern, Teebeuteln, Keksen und Sahneportionsdöschen auf dem ausgebreiteten … Packpapier). Es war jedoch ein guter Tisch mit netten Herren, vornehmlich Technikern. Vielleicht war das ja auch der Grund für unsere spätere kleine Revolte …
Zuerst näherte sich mir allerdings mein (ebenfalls eingeladener) Ehemann – und sobald wir uns begrüßt hatten, schickte ich ihn grinsend wieder weg, da er „blau“ gewählt hatte. (Er tauschte jedoch das Smiley um und kam grinsend zurück
.)
Und dann wurde plötzlich eine hervorragende Idee ausgerufen, wir sollten Fragen beantworten, einen Tisch-Gastgeber bestimmen und nach dem Glockengeläut die Plätze wechseln … doch da waren wir an unserem Tisch schon zu verwurzelt und sesshaft, beschrieben nicht die schöne Packpapierunterlage (gaben auch dem herbei geeilten „Chef det janzen“ nicht nach), lösten aber – zur Beruhigung aller
– trotzdem die Aufgaben.
Mir gefielen allerdings die (zwischenzeitlich gehaltenen) „Impulsvorträge“ unserer heimischen Spezialisten von Kulturamt, Tourismusverband und Schlossförderverein besser – und nicht nur, weil die auswärtige Moderatorin bei der Auswertung und der Zusammenfassung der nach ihrer Methode gefundenen Kerngedanken hart durchgriff bei „nicht zielorientierter“ Kritik und (gefühlter) Abschweifung
…
Na ja, vielleicht machte man das so im 130 km entfernten Berlin – denn der aus den Fördertöpfen bezahlte Projektträger kam nämlich von dort, um uns hier zu qualifizieren … (und uns zum Beispiel mit Kugelschreibern für die ausgefüllten Vereinbarungen zu belohnen
) … doch glaubt mir, wir hier in der Provinz haben bereits vom World-Café gehört … und wissen auch längst, dass wir alle gebraucht werden.
meinte Christine, als wir uns beim Nürnberger Autorentreffen über Schreibhindernisse austauschten, und über Blockaden und Ablehnungen, Selbstzweifel und das Hallelujah-Gefühl bei gelungenen Kapiteln.
Der Erfahrungsaustausch war ja neben Wiedersehen und Kennenlernen der Sinn der Sache und mir lief „heuer“ eine mörderische Schwester über den Weg, dazu eine Namensvetterin aus dem Norden und eine Bekannte mit Ost-Wurzeln, ich sah ebenfalls ein 8 Wochen altes Baby und einen 12 Jahre alten Hund unter den rund 70 Teilnehmern, welche die Veranstalterin alle mit Namen begrüßte, obwohl die wenigsten eine Homepage mit Fotos hatten, die meisten nie in den Medien waren, man sich auch nur einmal im Jahr traf. Wie machte Ursula das bloß?
Ich habe es auch bei diesem, meinem dritten Treffen nicht herausgefunden. Bei dem ich zugegebenermaßen nicht mehr viel Neues lernte, immerhin wusste ich ja längst, wie man glaubwürdige Protagonisten erschuf, wie die Spannung in den Krimi kommt, was ich bei einer Lesung nie sagen würde und welche verblüffenden Fragen aus dem Publikum kommen könnten.
Diesmal interessierte ich mich hauptsächlich für das Drehbuch – schließlich wurde ich in letzter Zeit wieder häufiger von begeisterten „Sturm der Verdammnis“-Lesern auf eine Verfilmung ihres geliebten Stoffes angesprochen. Nun wusste ich schon für die Erstellung des damaligen Fernsehbeitrages für zibb im rbb, wie schwierig es sein kann, einen packenden Dialog für 20 Sekunden auszuwählen und glaubhaft rüberbringen zu lassen und die Kulisse mit Schloss, Pferden, Ratsherren, beschäftigten Mägden und Bütteln, wandelnden Damen und Herren in ihren historischen Bekleidungen bereitzustellen, alles nicht allzu laienhaft aussehen zu lassen – und ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie teuer eine Filmproduktion werden kann. Schließlich steckten schon damals für den 3 Minuten-Beitrag an 4 Drehorten mehr als 6 Stunden Arbeit von Moderatorin, Kamerateam und Darstellern drin.
Und der vortragende Drehbuchautor Oliver Pautsch bestätigte dann auch, dass es wie im Literaturbetrieb zugeht. Man sich permanent anbieten und Kontakte knüpfen, um Fördermittel buhlen und unzählige Konkurrenten verdrängen muss und vierstellige Summen schon für Kurzfilme von 15 Minuten aufgetrieben werden müssen, in denen 1 Woche Arbeit stecken kann. Auch, wenn die 2 Darsteller umsonst arbeiten und nur ein Häuschen als Kulisse gebraucht wird …
Ooch, wieder ein Zahn gezogen.
Na, wenigstens war es dann beim Mittagessen erfrischender. Einer ohne Punkt und Komma redenden Teilnehmerin zuzuhören, die ihrem Nebenmann genau erklärte, wie er zum Erfolg kommen könnte. Ich wurde allerdings stutzig, als sie von den Verlagen sprach und deren Zugeständnissen hinsichtlich Abgabetermin und Honorarzahlungen … und ich lehnte mich milde lächelnd zurück, widmete mich wieder meinem Schnitzel … da die eifrige Dame das Wunder nicht selbst erlebt hatte, nur vom Hörensagen ihrer Freundin berichtete.
Also ist weiterhin Kämpfen und Leiden angesagt, Durchsetzen und Dranbleiben, um irgendwann den (vom ebenfalls im Bildungszentrum referierenden PERRY RHODAN-Chefredakteur Klaus N. Frick) erwähnten Adelsschlag zu erhalten, einmal im Leben in den Drehständer von Edeka zu kommen.
Auch, wenn ich dafür zunächst über bellende Papageien schreiben muss.
Heulte neulich unsere Große, weil Nero das erste Mal sein Bein gehoben, einen Laternenpfahl markiert hatte.
Ich kann das nur bedingt bestätigen, da immer noch keiner vor seinen jugendlich-ungestümen Annäherungen (damit meine ich das mit einem Affenzahn heranstürmende Riesentier mit angelegten Ohren, heraushängender Zunge und blitzenden Reißzähnen) sicher ist. Weder Nachbars Katze noch ahnungslose Spaziergänger.
Deshalb mussten wir uns schnellstens etwas überlegen, eine wirksame Sperre besorgen – und gefunden haben wir sie bei PetSafe, den Super Radio Fence, einen in stundenlanger, mühsamer Kleinarbeit
zu vergrabenden Radiozaun. Ursprünglich betrachtete unser Kaiser den Draht als Spielzeug
und das Schuften der Familie als Kino-Vorführung.
Er ignorierte bei den Testläufen auch gekonnt die immer mahnender erschallenden Warntöne
– zumindest bis zu dem Tag, als der Strom kurz zuschlug.
Mir tat es mehr weh als ihm – aber da der Zweck die Mittel (manchmal) heiligt …
Jedenfalls bleibt er seitdem respektvoll der Ausfahrt fern (anfangs wagte er sich nicht mal aus dem Haus), jagt nun keine Radfahrer mehr, nötigt kein Auto zur Vollbremsung (und straft uns mit Abscheu, wenn wir uns mit dem Empfänger nähern). Er kann auch nicht mehr die auf der Mauer provozierende Katze zähmen, seinen Boxerfreund von gegenüber besuchen.
Wie gut. Denn es ist ja (wie ich mittlerweile erfuhr) eine Boxerin … und ganz in der Nähe gibt es noch zwei Labrador-Weibchen …
(Teil 8, entnommen aus den „Erfahrungen des Autors Müller-Meier“)
„Toll, dass es dich auch noch gibt!“ Er bemüht sich um einen finsteren Blick und tastet nach dem großen Umschlag auf dem Tisch. „Wolltest du mir nicht schon vor zwei Wochen beim Exposé helfen?“
„Ja“, Anika grinst nicht sonderlich reumütig, „aber ich hatte dringende Angelegenheiten.“
„Und wenn nun in der Zwischenzeit“, er versucht wenigstens, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, „ein anderes Manuskript angenommen, mir der Programmplatz weggeschnappt worden wäre?“
„Unwahrscheinlich.“ Sie schüttelt überzeugt den Kopf. „Oder würdest du dich als überlasteter Lektor ausgerechnet jetzt auf ein unverlangt eingereichtes Manuskript stürzen?“
„Warum nicht?“
„Schließlich stecken alle noch in den Nachwehen der Buchmesse und erfahrungsgemäß werden dabei Neulinge genauso gern bearbeitet wie kurz vor den Messen und Vertreterkonferenzen.“
„Ha“, triumphierend hebt er den Umschlag hoch, „aber ich hab mich darum nicht geschert und es trotzdem getan.“
„Alles schon eingereicht?“ Sie reißt die Augen auf. „Ohne zu …?“
„Genau. Und auf den Verlag zugeschnitten.“ Er nickt stolz. „Wie bei einer Job-Bewerbung. Selbst das Anschreiben war ganz individuell und sollte ködern.“
„Das will ich sehen.“ Sie streckt die Hand nach dem Umschlag aus. „Du hattest dir inzwischen wirklich überlegt, in welchem Genre dein Buch anzusiedeln wäre?“ Ihr Tonfall wird ansatzweise zickig. „Für welche Lesergruppe es interessant wäre?“
„Ja, liebe Anika, meine Zielgruppe konnte ich damit ermitteln.“ Er stöhnt verhalten und zieht die Papiere aus ihrer Reichweite. „Du kannst mir glauben, auch einen brauchbaren Arbeitstitel habe ich allein gefunden. Und sogar rausgefunden, warum ich eigentlich meine Lieblingsbücher auflisten sollte.“
„Ach, nee.“
„Hattest mir ja genug Zeit gelassen“, er schwenkt den Umschlag, „auf diese Weise meinen bevorzugten Verlag zu entdecken und die offensichtlich von mir geliebten Kategorien. Von dem Punkt aus war es mit den Schreibratgebern auch relativ einfach, mein Manuskript in die geeignete Reihe einzuordnen und im Exposé ein Format vorzuschlagen.“
„Mach es nicht so spannend!“ Sie schnappt nach den Papieren – vergeblich.
„Entspann dich. Was willst du wissen? Ob ich an daran gedacht habe, außer dem Manuskriptumfang auch Ort und Zeit der Handlung anzugeben?“ Ihm macht es Spaß, sie zappeln zu lassen. „Hatte ich doch schon das letzte Mal getan. Und diesmal führte ich sogar die Perspektive des Erzählers an, wie auch einen gekürzten Überblick über den Inhalt.“ Er betont die folgenden Worte, als gäbe er ein Staatsgeheimnis preis. „In Form eines Klappentextes.“
Doch sie macht ihm nicht die Freude, vor Ehrfurcht zu erstarren. „Und wie ist es mit dem Überblick über die Hauptfiguren? Wie entwickeln sich deine Personen während der Erzählung?“
„Rasant und überraschend.“ Er grinst. „Ist alles erledigt. Auch meine Szenenübersicht habe ich verbessert, jetzt die spannendsten Stellen angeführt.“
Sie gibt auf, lässt den noch immer ausgestreckten Arm sinken. „Ich nehme an, dass du die Leseprobe ebenfalls beigelegt hast?“
„Das erste Kapitel, wie von dem Verlag gewünscht. Direkt im Anschluss an meine aufgehübschte Vita“, lacht er.
„Ach, hast du doch ein kriminell gutes Beispiel, ein Idol, einen Promi in deiner Ahnenreihe gefunden?“
„Nein, aber ich konnte belegen, warum ich mich in meinen Helden hinein versetzen und mit ihm fühlen kann, dass regionales Insiderwissen nicht zu unterschätzen ist … und damit kann ja wohl jeder Witz von einer Veröffentlichungsliste wettgemacht werden, nicht?“
„Ich weiß nicht“, sie zuckt mit den Schultern. „Dein Enthusiasmus in allen Ehren, aber ob die Assistenten und Sekretärinnen, das Lektorat und die Programmleitung, der Verleger und seine Vertriebsleitung das genauso sehen …“
„Hast recht“, er überreicht ihr endlich den Umschlag, „deshalb hab ich mich ja auch nicht mehr an einen Giganten, sondern einen Regionalverlag gewandt. Du weißt, kleinere Brötchen und so …“
Sie zieht die Papiere hervor, fängt an zu lesen und murmelt verblüfft: „Aber das ist ja …“






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