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Das werde ich immer häufiger von Veranstaltern gefragt, wenn es um die Buchung von Lesungen geht.

Und diese Frage schmerzt.

Schließlich arbeite ich jahrelang honorarfrei an einem Buch, fahre Hunderte von Kilometern, um erst dafür zu recherchieren, dann, um es zu vermarkten, zahle Eintrittsgelder, Kopiergebühren und Mitgliedsbeiträge, auch für die Erstellung von Fotos und manche Schaltungen im Fernsehen, für den Druck von Plakaten und Flyern, die Erstellung der Homepage, den Internetzugang. Ich telefoniere unentwegt und verschicke Mappen, finanziere ein Auto mit dessen Steuern und Versicherungen, Reparaturen und TÜV, unterhalte ein Büro mit Möbeln, Computern, Druckern, Fax und Kopierer, besorge ständig Toner, Papier, Ordner, teure Fachliteratur … möchte auch regelmäßig essen, mich ordentlich kleiden und sogar ab und zu etwas mit meinen Kindern unternehmen … also antworte ich deshalb mit schöner Regelmäßigkeit: „Ja, ich hätte gern Geld dafür.“

Das wiederum scheint die armen Veranstalter zu schmerzen. „Aber dadurch müsste man doch Eintrittsgelder verlangen … und wer weiß, wie viele Besucher kommen werden.“

„Da das immer schwer einzuschätzen ist“, gebe ich ihnen recht, „müssen wir die Veranstaltung vorher bekannt machen. Deshalb übersende ich Ihnen Plakate, Aushänge, Werbetexte und Presseinformationen, und Sie sorgen für einen interessierten Journalisten und dessen nicht zu unterschätzenden Beitrag in der örtlichen Presse.“

„Aber …“ (die Veranstalter sind nicht so leicht zu überzeugen) „Könnten wir uns nicht so einigen, dass Sie nur für einen Teil … die Hälfte … des Eintrittsgeldes lesen?“

Ein interessanter Gedanke.

Gehen wir mal von zwanzig Besuchern aus und deren gezahlten Eintrittsgeldern von jeweils höchstens 5,00 Euro – stände dem lesenden Autor ein Fuffziger zu. Hmm. Für die An- und Abreise von 50 – 100 Kilometern, die Reisezeit von bis zu 2 Stunden, die als Arbeitszeit zu rechnende Lese- und Diskussionszeit von bis zu 2 Stunden, die Bezahlung der mitgebuchten Musikerin …

„Das wird wohl nicht ausreichen“, muss ich dann schulterzuckend entgegnen.

„Aber …“ (so schnell geben die Veranstalter nicht auf) „Schließlich gebe ich Ihnen ja die Möglichkeit, für Ihr Buch Werbung zu machen, es verkaufen zu können.“

Da komme ich doch glatt ins Grübeln und rechne wieder.

Die angenommenen zwanzig Besucher kommen meistens paarweise. Eheleute, Freundinnen, Mutter und Tochter. Also halbieren sich schon mal die Verkäufe. Und da erfahrungsgemäß nie alle Zuhörer kaufen … sind wir schon bei einem fiktiven Viertel angekommen. Wenn man dann noch weiß, dass vom Nettoverkaufspreis des Buches durch Verlags-, Druck-, Bindekosten und Buchhändlerrabatte dem Autor nur 5 bis 10 Prozent der Summe bleiben … bleibt einem nur übrig, auf einen im Vorfeld wahnsinnig Appetit machenden Journalisten zu hoffen. Der es durch seine Ankündigung schaffen wird, die angenommenen Besucherzahlen zu potenzieren. Und dass der arme Veranstalter es dann schaffen wird, diese Besucher alle in den Gaststättenraum oder das Vereinszimmer zu verfrachten und bei Laune zu halten …

Und ich komme zu dem Schluss. „Tut mir leid, ich kann mich darauf nicht einlassen.“

„Aber …“ (die Veranstalter haben doch tatsächlich noch ein Ass im Ärmel) „Meine letzten Autoren wollten nichts haben, lasen kostenfrei.“

Hmm … gutes Geschäft für den Veranstalter. Mit Kultur beglückte Besucher, dazu Verkäufe von Getränken und vielleicht sogar einem kleinen Imbiss … alles ohne Risiko und vorherige aufwändige Marketingmaßnahmen … wow!

„Wer hat sich denn darauf eingelassen?“, bleibt mir nur noch übrig zu fragen.

Meistens sind es dann Senioren oder finanziell anderweitig abgesicherte Autoren oder Hobby-Vorleser aus dem Umfeld. Ohne Reisekosten, größere Verpflichtungen und enormen Enthusiasmus für abendlich-ausufernde Gesprächsrunden.

Tja, da werde ich wohl umsatteln müssen. Vielleicht sollte ich demnächst als Maurer, Metzger oder KFZ-Mechaniker arbeiten. Denn über den Preis für die hochgezogene Wand wird nicht diskutiert, genauso wenig wie über den Preis für die leckere Bratwurst oder den neuen Satz Winterreifen …

Oder ich halte mich künftig an die Bibliothekarinnen, die bei meinem Honorarwunsch erleichtert ausrufen: „So wenig Geld nehmen Sie?“

… sie freuen sich vielmehr. Besonders Kleinverleger(innen) ;-) .

(Wobei – nebenbei bemerkt – die Freude getrübt werden kann, wenn ein Großhändler die Angewohnheit hat, sofort nach Unterschreiten des festgelegten Mindestbestandes jedes Buch einzeln, aller paar Tage zu bestellen … oder das Internet-Bestellformular von Spammern missbraucht wird … doch davor bin wenigstens ich seit dem hervorragenden Einsatz von Marian Kulisch und seiner Software-Entwicklung gefeit.)

Dennoch stutzte ich, als ich im Posteingang bei den Bestellungen für die regionalhistorischen Romane auch eine aus dem Ausland vorfand, meine erste aus der Schweiz – offensichtlich echt.

Schon kam ich ins Grübeln. Wie war das in diesem Fall mit der Umsatzsteuer? Musste ich für die Rechnung etwa auch den Euro in Schweizer Franken umrechnen? (Vorsichtshalber informierte ich mich … und fand in diesem Zusammenhang auch gleich so Verwirrendes wie deren Mehrwertsteuer, zusätzliche Gebühren für die Zollfreigabe und eine zu versteuernde Postvorweisungstaxe … doch zum Glück auch die Angabe der Geringfügigkeitsgrenze.)

Da nun der Herr ordnungsgemäß mein Formular ausgefüllt, per Nachname bestellt hatte – und es als steuerfreie Buchlieferung durchgehen konnte, eilte ich frohgemut zu einer Filiale der Deutschen Post … um zu erfahren, dass Ausländer nicht per Nachname bestellen können. Marschierte ich also mit dem Buch wieder zurück, teilte dem Herrn den neuen Stand mit, der mir daraufhin PayPal anbot – das ich aber nicht nutze.

Nun einigten wir uns auf eine normale Überweisung – jedoch hatte ich ihm die dafür notwendige BIC und IBAN noch nicht mitgeteilt. Kaum war das erledigt, lauerten die nächsten Fallstricke: die Versandkosten. Die selbst beim preiswertesten Anbieter dreimal teurer als von mir (fürs Inland) kalkuliert und (ohne entsprechenden Hinweis) veröffentlicht worden waren. Nun ja, hatte ich Lehrgeld zu zahlen :-( und schnellstens die Homepage anzupassen.

Damit war es aber noch nicht erledigt.

Durch eine Fehlbuchung und die mir daraufhin zugeschickte Zahlungsanweisung konnte ich meine Französischkenntnisse auffrischen, und durch die gut beim Empfänger angekommene Geschichte entwickelte sich zudem ein angenehmer Kontakt mit dem Herrn vom Genfersee (inklusive großartiger Tipps für die Arbeit mit historischen Fakten) und … weitere Buchbestellungen folgten.

Doch jetzt stutze ich nicht mehr – nun freue ich mich angemessen (und kümmere mich recht bald um die neue Zahlungsmethode PayPal ;-) ).

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